Meinung : Kinder individuell fördern

„Opposition: Bildungspolitik des Senats gescheitert“ vom 2. September

Ein Kernproblem bei der Akzeptanz und Einführung der Organisationsform JüL (jahrgangsübergreifendes Lernen) im Gesamtkonzept SAPh (Schulanfangsphase) liegt m. E. darin, dass es immer noch die Vorstellung einer direkten, linearen Beziehung zwischen Lebensalter – Schulbesuchsjahr – Kompetenzstufe gibt und viele glauben, dass es diesen Bezug auch „normalerweise“ geben müsste. Die Neukonzeption von Schulunterricht, in der die Prinzipien des individualisierten Lernens berücksichtigt werden, geht aber davon aus, dass niemals (!) alle Kinder irgendetwas gleichzeitig auf die gleiche Art lernen, selbst ein einzelnes Kind in Schüben lernt und auch nicht in allen Bereichen gleichzeitig. Solange also im JüL noch der alte Jahrgangsgedanke steckt, verkleidet in der eigentlich nicht zu bewältigenden Aufgaben zwei oder drei „Jahrgangsstufen“ gleichzeitig zu unterrichten, ist der Kerngedanke der SAPh nicht umgesetzt. Der Ausweg aus der momentan immens schwierigen Umbruchsituation ist also nicht die Rückkehr zur Illusion vom Unterricht mit „normalen“ Durchschnittskindern einer Stufe, sondern die konsequente Erarbeitung von Unterrichtsformen, in denen Individuen all ihre Fähigkeiten entwickeln, eingebettet in eine stabile Gemeinschaft.

Michael Hackenberger, Berlin-Steglitz

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