Kinderschutzgesetz : Fünf lange Jahre

Einen kleinen Seitenhieb auf ihre Vorgängerin konnte sich Familienministerin Kristina Schröder dann doch nicht verkneifen, als sie den Kompromiss mit SPD und Grünen zum Kinderschutzgesetz verkündete: Sie erinnerte daran, dass das Vorhaben in der vergangenen Legislaturperiode „krachend gescheitert“ war – in jener Zeit, als Ursula von der Leyen für die Familie zuständig war und so viel in Bewegung setzte, dass die Nachfolgerin noch immer kaum aus ihrem Schatten kommt. Nun hat die aktuelle Ressortchefin einmal bewiesen, dass sie mit einem Projekt Erfolg hat, das die Konkurrentin an die Wand gefahren hatte. Wichtiger als der Punktgewinn der Ministerin aber ist der Umstand, dass mit der Einigung Kinder künftig besser vor familiärer Gewalt und Misshandlung geschützt werden. Der Bund musste den Ländern zusichern, frühe Hilfen zum Schutz von Kindern und besonders geschulte Hebammen zur Unterstützung sozial benachteiligter Familien dauerhaft zu finanzieren. Von Januar an sollen Hebammen, Jugendämter, Beratungsstellen sowie andere Beschäftigte der Kinder- und Jugendhilfe nun enger zusammenarbeiten, damit sich Fälle wie die Tötung von Kevin aus Bremen im Jahr 2006 nicht wiederholen. Fünf Jahre hat es gedauert, bis Bund und Länder aus dem damaligen Versagen die Konsequenzen zogen. In der Politik mag das eine überschaubare Phase sein. In einem Kinderleben aber sind fünf Jahre eine lange Zeit. hmt

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