Kirche : Schuld sind immer die anderen

Viele innerhalb und außerhalb der Kirche hatten gehofft, dass die Bischöfe auf ihrer Frühjahrstagung in Hamburg beherzt nach neuen Wegen suchen würden. Doch sie machen es wie der Vatikan – die Bischöfe stehen nicht bei den Menschen.

Claudia Keller

Die Krise könne eine Chance sein. Ein „Lernort“, sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx vor zwei Tagen. Er meinte die Wirtschaftskrise. Er meinte leider nicht die Krise, die die katholische Kirche quält, seitdem der Papst die reaktionäre Pius-Bruderschaft hofiert.

Was diese hauseigene Krise angeht, verhalten sich die deutschen Bischöfe, zumindest die romtreuen, nicht viel anders als jene unbelehrbaren Banker, die die Bischöfe gerne kritisieren. Krise? Welche Krise? Für die katholische Kirche in Deutschland wird sich nichts ändern, behauptet Bischof Walter Mixa. Kirchenaustritte? Vielleicht wegen der Abgeltungssteuer, aber doch nicht wegen der Pius-Brüder. Das ganze Krisengerede – alles Schuld der Medien. Die Bischöfe verhalten sich nicht besser als der Vatikan, der sich in Schweigen hüllt. Die Entschuldigung des Holocaust-Leugners und Pius-Bischofs Richard Williamson genüge nicht, ließ der Vatikan zwar vergangene Woche verlauten. Aber nichts darüber, wie es nun weitergehen soll. Tritt die Exkommunikation Williamsons wieder in Kraft? Was ist mit den anderen Pius-Bischöfen? Wie lange will man auf eine Klarstellung der Brüder warten? Schweigen.

Die katholische Kirche hat in den vergangenen sechs Wochen die wohl schwierigste Zeit seit Jahrzehnten durchlebt. Viele innerhalb und außerhalb der Kirche hatten deshalb gehofft, dass die Bischöfe auf ihrer Frühjahrstagung in Hamburg beherzt nach neuen Wegen suchen würden. Doch was dabei herausgekommen ist, zeugt nicht von großer Entschiedenheit.

Die Liberalen unter den Bischöfen wollten sich mit einem Hirtenbrief an alle Gemeinden wenden, mit klaren Worten, die auch die Kritik am Vatikan nicht aussparen sollten. Das wäre ein wichtiger Schritt gewesen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Idee zu dem Brief hatten vor allem die Älteren, die keine Karriere mehr machen wollen, die sich von Rom nichts mehr erwarten. Den Brief wird es nicht geben. Die Romtreuen haben sich durchgesetzt.

Stattdessen gaben die Bischöfe am Donnerstag eine windelweiche Erklärung ab, in der sie sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen und dem Papst den Rücken stärken. „Vor allem weisen wir jeden Versuch zurück, das Ansehen und die Integrität des Papstes in Zweifel zu ziehen“, heißt es.

Die Einheit der Kirche ist wichtig, das ist das Signal. Diese Einheit ist wichtiger als der Vertrauensverlust bei den eigenen Leuten und in der Welt. Es wird zwar die entstandene „Unsicherheit“ über den Weg der Kirche bedauert. Aber an der Verunsicherung seien nicht etwa die Kirchenoberen schuld, sondern die anderen, die eben nicht genau hinhören, was der Papst sagt.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche beschlossen, dass sie mitten in der Welt stehen will, an der Seite der (verunsicherten) Menschen. Der Gemeindebrief wäre ein Zeichen gewesen, dass sie dort wirklich angekommen ist. Offenbar fehlt es dafür noch an Mut.

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