Körtings Abschied : Er war Wowereits Bester

Schade. Man muss nicht in der SPD sein, um den Rückzug Ehrhart Körtings aus der Politik zu bedauern. Manchmal aber hat auch der scheidende Innensenator geschwächelt.

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Er tritt ab: Innensenator Ehrhart Körting.
Er tritt ab: Innensenator Ehrhart Körting.Foto: Thilo Rückeis

Der scheidende Berliner Innensenator hat Maßstäbe gesetzt in der Landespolitik, Qualitäts- und menschliche Maßstäbe. Verdienste hat er sich, das kommt zuerst, selbstredend erworben in einem Amt, das angeblich den Sozialdemokraten weniger liegt, in dem sie aber öfter mal Profil gewinnen. Körting wurde gelegentlich – was als Kompliment gemeint war – als die Berliner Version von Otto Schily beschrieben: Vom Politikverständnis her eher links, doch konservativ, entschieden in Sicherheitsfragen. Und gebildet. Also hat Körting in zehn Jahren nicht viel anbrennen lassen.

Er hat eine entschieden liberale Linie im Umgang mit dem Randaleereignis des Jahres, dem 1. Mai, verfolgt. Er hat einen verkraftbaren Personalabbau bei der Polizei vertreten. Und er hat in allen tagespolitisch-aufgeregten Streitereien kühle, liberale Bedachtsamkeit und eine eindrucksvolle Verfassungstreue gezeigt, ob es um Kopftuchfragen oder um Kreuze in öffentlichen Räumen ging.

Gelegentlich konnte man den Eindruck haben, dass Körting gerade für die religiöse Aufgeladenheit politischer Konflikte besonders viel Sinn und Verständnis hatte. Das hat ihn dazu gebracht, mit seinen Moscheebesuchen und Gesprächen eine eigene, diskret-diplomatische Integrationspolitik zu betreiben. Vielleicht hätte Berlin für die Integration der größten Minderheit die positive Bedeutung gewinnen können, die ihr Rütli- und Sarrazin-Debatten auf negative Weise verschafft haben, wäre Körting im Senat für Integration zuständig gewesen.

Geschwächelt hat Wowereits Bester bloß einmal auf diesem Terrain: Als er die etwas unpolitische Intendantin der Deutschen Oper mit einer humorvoll-ironischen Bemerkung zur Kapitulation vor den Zensoren des Islamismus brachte. Da wurde die Oper „Idomeneo“ vom Spielplan genommen, um nur ja niemanden zu provozieren, der eine Anspielung in dem Stück islamfeindlich finden könnte.

„Sehr stilvoll, sehr niveauvoll“ sei Körting im Streit gewesen, sagt sein möglicher Nachfolger von der CDU, Frank Henkel. Nun hat der Sozialdemokrat durch seinen Rückzug die Berliner Koalitionsverhandlungen erleichtert. Das ist gut so – und doch ein wenig schade.

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