Kolumne Harald Martenstein : Australier haben einen anderen Politikstil

Sexpartei, Wikileaks-Partei und die Partei der Motorsportfreunde: Bei den jüngsten Wahlen in Australien präsentierten sich ganz unterschiedliche Bündnisse. Erst dachte unser Autor, dass das bloß alles Splitterparteien seien. Aber nein. Einige sitzen schon in den Provinzparlamenten.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.ddp

Auch anderswo wird von Zeit zu Zeit gewählt. Ein Regisseur hat mir einen Wahlzettel für den Senat von West-Australien zugesandt. Auf dem Zettel stehen 27 Parteien, eine ähnliche Zahl finden wir auch auf dem Wahlzettel für die deutsche Bundestagswahl. Aber als ich gelesen habe, welche Parteien in Australien zur Auswahl stehen, war ich erstaunt. Die Australier haben einen völlig anderen Politikstil.

Unter anderem gibt es die Partei für die Rechte der Raucher, die Partei der Jäger und Fischer, die australische Sexpartei, die Wikileaks-Partei, die Partei der Klimaskeptiker, die Partei gegen Bevölkerungswachstum, die Partei „Stoppt die Grünen!“, die Partei für Fischfang und Lifestyle, die Australische Sportpartei ASP und die Partei der Motorsportfreunde.

 Ich dachte, das sind sicher alles Splitterparteien. Aber nein. Die Partei für Fischfang und Lifestyle sitzt bereits in drei Provinzparlamenten. Sie fordert Angelscheine für alle sowie nachhaltige Rechte für Camper, Geländeradfahrer, so genannte „Bushwalker“ und Kajakfahrer. Das Feindbild der Lifestylepartei sind die Grünen, ihr wichtigster Konkurrent sind die „Jäger und Fischer“, die ebenfalls in zwei Provinzen Sitze erobert haben.

Sexpartei ist fünftgrößte Kraft

Die Sexpartei ist sogar noch erfolgreicher, sie ist zur fünftgrößten politischen Kraft aufgestiegen, entspricht also in ihrer Bedeutung mindestens den deutschen Piraten. In Melbourne hat die Sexpartei zuletzt fast sieben Prozent errungen, bei den Nationalwahlen mehr als 2 Prozent. Die junge Vorsitzende, Fiona Patten, ordnet ihre Partei links und in der Nähe der Grünen ein, allerdings würde sie gesellschaftlichen Auswirkungen der Sexualität deutlich positiver sehen als die Grünen.

Eher rechts ist die Partei der Motorsportfreunde, deren Vorsitzender manchmal in einem Känguru-Kostüm auftritt und freie Zufahrt für Geländewagen in sämtlichen Nationalparks fordert, obwohl dies den Kängurus unmöglich gefallen kann. Die Partei gegen Bevölkerungswachstum will, dass es in Australien auch künftig viel Platz gibt, deshalb soll das Kindergeld ab Kind Nummer drei gestrichen werden.

"Plamer Unit Party" für die Wiederansiedlung von Dinosauriern

Ein vielversprechender Newcomer ist die „Palmer United Party“, gegründet im April und schon jetzt in mehreren Parlamenten vertreten. Dieses Projekt des Unternehmers und Millionärs Clive Palmer fordert, dass die „Titanic“ in einer originalgetreuen Kopie nachgebaut wird und dass in Australiens Nationalparks wieder Dinosaurier angesiedelt werden, als computergesteuerte, aber lebensechte Attrappen. Das Land wäre damit weltweit Touristenziel Nummer eins. Immer mehr Wähler finden dies einleuchtend.

Australien ist übrigens ein Land, das recht gut funktioniert und in dem keineswegs der Untergang der Demokratie bevorsteht. 

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