Kolumne "Ich habe verstanden" : Sex sells überhaupt nicht

Der Wirbel um die Oben-ohne-Fotos der britischen Herzogin ist groß. Warum ihn Kate Middletons Bilder überhaupt nicht interessieren, das erklärt Matthias Kalle in seiner Kolumne.

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Kolumnist Matthias Kalle denkt nicht in Schubladen – oder doch? Foto: Promo
Kolumnist Matthias Kalle denkt nicht in Schubladen – oder doch?Foto: Promo

Ich habe diese Oben-Ohne-Fotos von Kate Middelton, die ja jetzt im Prinzip jeder gesehen hat, nie gesehen, was vor allem daran liegt, dass mich Oben-ohne-Fotos von Kate Middelton im Prinzip nicht interessieren. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Mich interessieren eigentlich überhaupt keine Oben-Ohne-Fotos, und zwar von niemandem. Ehrlich – es fällt mir keiner ein, bei dem ich denke: „Ohhhh, wie sieht der (beziehungsweise die) wohl aus, wenn der (beziehungsweise die) nix weder Pullover noch Hemd noch T-Shirt noch BH anhat?“ Vielleicht höchstens noch beim Schauspieler Marc Wahlberg, denn ich habe mal irgendwo gelesen, dass der drei Brustwarzen hätte, und das habe ich dann leider nicht mehr vergessen. Wie das wohl aussieht?

Ich bin jetzt gar nicht mal der prüde Typ – ich rege mich über Nacktheit nicht auf. Ich glaube, dass Nacktheit nicht schlimm ist, ich glaube, das Bilder von Nacktheit weniger Schaden anrichten als Bilder vom Krieg. Ich rege mich eher darüber auf, dass sich Leute über Nacktheit aufregen – und zwar im Guten wie im Schlechten. Da fällt mir ein: War auf diesen Fotos eigentlich auch Prinz William nackt zu sehen? Und wenn ja: Wäre das nicht die eigentliche „Sensation“, bzw. der eigentliche Skandal?

Video: Erneutes Malheur um Kate

Vor einigen Wochen zeigte das „ZEITmagazin“, für das ich ja auch arbeite, einen Penis. Der Grund dafür war eine Geschichte darüber, dass männliche Nacktheit seltener zu sehen ist als weibliche Nacktheit – da war vielleicht war los! Das „ZEITmagazin“ zeigt manchmal Frauenbrüste – nicht so oft wie der „stern“ – aber Frauenbrüste lösen nach meiner Erfahrung kaum noch etwas aus. Nebenbei kann ich hier auch mal mit einem Vorurteil aufräumen, das Magazinmacher immer wieder vorgeworfen wird: Sex sells überhaupt nicht – diese Zeiten sind lange vorbei (wenn es sie denn überhaupt je gegeben hat). Das wäre ja auch wirklich schön doof in Zeiten, in denen man sich im Internet das Neueste aus untenrum für gar kein Geld anschauen kann. Da kauft sich ja keiner deshalb den „stern“ weil eine Titelgeschichte über Rückenkrankheiten mit einer weiblichen Brust bebildert werden, damit er man was zu gucken hat. Abgesehen davon bin ich der irre langweiligen Ansicht, dass gut angezogene Menschen sexier sind als schlecht ausgezogene Menschen, aber da hat ja jeder auch andere Vorlieben.

Worauf ich hinaus will: Nur weil einer Person in irgendeiner Weise prominent ist, ist doch die Idee diese Person nackt zu sehen, nicht automatisch aufregender als irgendwen anders. Sehen nackt nicht viele Menschen dann doch ähnlich aus? Nacktheit an sich liefert keinen Erkenntnisgewinn. Ich glaube wirklich, dass es spannender ist zu gucken, was einer anhat – und warum. Das sagt über einen Menschen mehr aus als seine Nacktheit. Und ich glaube Folgendes: Man darf niemanden gegen seinen Willen nackt fotografieren und es sollte egal sein, ob es sich dabei um einen so genannten Prominenten handelt oder nicht.

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