Kongo : Afrikas krankes Herz

Somalia als Mahnung: Wer den Kongo militärisch befrieden will, wird scheitern.

Wolfgang Drechsler

Mehr als zwei Jahre nach der ersten freien Wahl im Kongo, die sich Uno und EU soviel kosten ließen wie noch nie zuvor eine Wahl, ist das zentralafrikanische Riesenreich von einer politischen Lösung seiner Probleme weit entfernt. Daran hat auch der Kongo-Krisengipfel am Wochenende in Nairobi wenig geändert, der sich einmal mehr in einem flammenden Friedensappell erschöpfte. Der Hauptgrund für sein Scheitern: Kongos Staatschef Joseph Kabila hat es in den letzten Jahren nicht vermocht, eine ordentliche Armee aufzubauen und mit ihr den Osten des Landes zu befrieden. Stattdessen stehen weite Gebiete der Region noch immer unter der Kontrolle informeller Milizen, die sich dort in immer neuen Allianzen bekriegen.

Angesichts der Unfähigkeit Kabilas, trotz der massiven Unterstützung durch das Ausland staatliche Strukturen zu errichten, ist der Kongo heute weiter denn je von einem echten Frieden entfernt. Die Hauptschuld daran trifft Kabila und sein korruptes Regime im fernen Kinshasa, das den rohstoffreichen Kongo seit Jahren gnadenlos plündert. Für die internationale Gemeinschaft besteht das Dilemma darin, dass sowohl eine weiter aufgestockte Uno-Friedenstruppe als auch eine von Belgien und Frankreich vorgeschlagene EU-Eingreiftruppe im Kongo eine völlig undisziplinierte und verlotterte Regierungssoldateska unterstützen müsste, die obendrein noch mit den geflohenen Hutu-Massenmördern aus dem benachbarten Ruanda unter einer Decke steckt.

Kongos Armee zeichnet sich durch einen völligen Mangel an Professionalität aus. Ein Großteil der Menschenrechtsverletzungen in der Region wie etwa Plünderungen, Vergewaltigungen oder Zwangsrekrutierungen werden heute von den staatlichen Sicherheitskräften verübt.

Das katastrophale Somalia-Abenteuer der USA vor 15 Jahren sollte Europäern und der Uno eine Mahnung sein. Wer Soldaten in einen Konflikt schickt, muss auch sicher sein, dass diese am Ende Erfolg haben können. Im Kongo, dem kranken Herzen Afrikas, ist dies unter den herrschenden Bedingungen unmöglich. In seiner jetzigen Form ist der Kongo nicht lebensfähig.

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