Kontrapunkt : Ampel, Schwampel, Pampel

Wohl kaum ein anderer Landesverband der FDP hat so oft Verheerungen erlebt wie der Berliner. Chefredakteur Lorenz Maroldt schreibt im "Kontrapunkt" über eine Partei, die trotz allem noch wichtig werden könnte.

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Christoph Meyer.
Christoph Meyer.Foto: dpa

Wie hieß eigentlich gleich noch der Berliner FDP-Vorsitzende… Müller, Schulze, Schmidt? Oder Henkel? Ach nein, der war ja von der CDU und hat gerade erklärt, warum er von einer Jamaika-Koalition für Berlin nichts hält, weil nämlich die Liberalen hier "keine Rolle" spielten. Seine CDU will er zur stärksten Kraft machen, eine Koalition mit den Grünen ist für ihn "eine Wechseloption". Die CDU eiert übrigens gerade so bei 17 Prozent in den Umfragen herum, satte 10 Prozentpunkte hinter SPD und noch etwas weiter hinter den Grünen. Henkel, Frank Henkel, Vorsitzender der CDU in Partei und Fraktion, steht in der Beliebtheitsskala der Landespolitiker auf der vorletzten Stufe, etwa die Hälfte der Hälfte der Berliner hat noch nie etwas von ihm gehört.

Hinter ihm ist nur noch einer: Meyer, Christoph Meyer, Vorsitzender der FDP in Partei und Fraktion, nur einer knappen Hälfte der Berliner bekannt. Seine Partei liegt zur Zeit so in etwa in der Kategorie "Sonstige", ungefähr bei drei Prozent, und da die Schwankungsbreite bei Umfragen ungefähr drei Prozent rauf oder runter beträgt, könnte es auch Nullkommanichts sein.

Wohl kaum ein anderer Landesverband der FDP hat so oft Verheerungen und Heimsuchungen erlebt wie der Berliner. Mal wollten Nationalisten die FDP heim ins Reich holen, mal wollten Spaßstudenten den Landesverband mit Parteimasseneintritten kapern, mal gab es Pädophilenaffären, mal Westerwellenreiterei, und immer und zu jeder Zeit Durchstecherei, kurz und schlecht: zu Politik, einfach nur Landespolitik, gab es kaum mal Gelegenheit.

Eigentlich ist das schade, denn stets gab es auch in der Berliner FDP kluge Köpfe, die sich nicht hinter irgendwem oder irgendetwas verschanzen müssten. Sie wurden aber zumeist übertönt von jenen, die sich für ihre Auftritte als F.D.Pisten einen Lautsprecher haben einbauen lassen.

Wenn man sich anschaut, wohin die vielen Wähler geflohen sind, die auch in Berlin im vergangenen Jahr der FDP ihre Stimme liehen, ohne dafür eine angemessene politische Rendite zu bekommen, ergibt sich ein klares Bild: überall hin, Linke, Rechte, Grüne, eigentlich ganz egal, das aber so schnell wie möglich. Die meisten von ihnen, 26 Prozent, wollen gar nicht mehr wählen, 24 Prozent haben rüber gemacht zur CDU. So hat sich also Frank Henkel einen Teil der Leihstimmen für die FDP wieder zurück geliehen, um jetzt mit seinen sensationellen 17 Prozent im Rücken zum Überholen anzusetzen, ohne den liberalen Ballast, versteht sich.

Was nun den Herrn Meyer betrifft, könnte der für Berlin aber doch noch mal ziemlich wichtig werden. Denn wenn nur ein paar der Frustrierten in einem knappen Jahr zu ihm zurückkommen und ihn über die Fünf-Prozent-Hürde hieven, ist Henkels schwarz-grüne oder grün-schwarze Wechseloption womöglich obsolet. Dann ist, nach jetzigem ungefähren Umfragestand, wirklich alles drin, Ampel, Schwampel, Pampel, jeder kann mit jedem müssen, regiert wird aber nur zu dritt. Also, Meyer: den Namen wird man sich merken müssen, so oder so.

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