Meinung : Krieg im Kleinen

ali

Gleitet Nordirland zurück in alte Muster? Eine Massenschlägerei aus geringfügigem Anlass, ein kalkulierter Überfall auf eine katholische Schule: Da sollen Leute eingeschüchtert werden, das riecht nach überwunden geglaubten Reflexen. Aber so unerfreulich die Handgreiflichkeiten in Nordbelfast auch sein mögen, den Friedensprozess stellen sie nicht in Frage. Diese Abgehobenheit der "großen" Politik - Regierungsbildung, Entwaffnung, Polizeireform - von der Wahrnehmung der eingekesselten Bewohner von Nordbelfast wirft knifflige Fragen auf. Die Politiker, die mit beträchtlichem Erfolg agieren, müssen ihren Wählern nahe bringen, dass auch sie von den geordneten Verhältnissen profitieren. Stattdessen sehen sie sich als Opfer und zahlen den Preis für eine künstlich geteilte Gesellschaft. Der aufgestaute Zorn entlädt sich dann hemmungslos. Der Wettersturz im Umgang mit dem Terror hat in Nordirland positive Nachwirkungen gehabt, aber an den Wahrnehmungen in Nordbelfast hat sich dadurch nichts geändert. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die Politiker ihre Kompromisse künftig mit mehr Überzeugung schlössen, anstatt sich im letzten Moment zähneknirschend Minimalzugeständnisse abringen zu lassen.

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