Meinung : Kuba: Erzwungenes Geständnis

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Die Selbstkritik mutet fast wie jene Demütigungsformel aus Maos China an, die zur Zeit der Kulturrevolution millionenfach wiederholt wurde. Ivan Pilip und Jan Bubeník, zwei seit knapp vier Wochen auf Castros Zuckerinsel festgehaltene tschechische Politiker, haben sich "beim kubanischen Volk entschuldigt" und kamen dafür frei. Doch, entschuldigt wofür? Dass sie "unwissentlich gegen kubanische Gesetze verstoßen haben", indem sie Dissidenten trafen. So die offizielle Lesart aus Havanna. Dort ist das Regime in der Tat in einem ideologischen Dreieck zwischen Mao, Breschnjew und Che Guevaras lateinamerikanischem Machismo erstarrt. Und das Regime schlägt um sich, besonders wenn es wegen der Menschenrechtslage international gerügt wird. Der Ton gegenüber den beiden Tschechen war auch deshalb so geharnischt, weil sie aus einem ehemaligen "Bruderland" kamen, das laut Castro die Seiten gewechselt und als "Vasall der USA" die Verurteilung Kubas in den UN wegen Unterdrückung im vorigen Jahr durchgesetzt hat. Ein UN-Termin zum Thema steht nun wieder an: im März. Die Geiselnahme von Pilip und Bubeník durch Kubas Geheimpolizei war ein ungeschicktes Ablenkungsmanöver, das nur von einem schiefen Weltbild zeugt. Die öffentliche Selbstkritik ist blamabel - doch nicht für die beiden dazu erpressten Tschechen, sondern für das Regime in Havanna.

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