Meinung : Kunstschnee und Firlefanz Daily Observer

Blickfang Tagesspiegel
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„Unsere Feste sind unter Niveau“

vom 21. Oktober

Als Berliner, der jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit am Potsdamer Platz vorbeiläuft, kann ich sehr genau nachvollziehen, was Herr Lehmann-Brauns in seinem Artikel – sehr zu Recht – kritisiert. Immer wieder stelle ich fest, wie häufig der Potsdamer Platz zugebaut wird, mit Informationsständen, die mal mehr und mal weniger sinnvoll sind, mit Eventgastronomie, Kettenkarussells und sonstigem Schnickschnack – und nun wird sie schon wieder, Mitte Oktober, aufgebaut: die Rodelschanze, wahrscheinlich wieder wie im letzten Jahr mit der Aufschrift „Salzburger Land“.

Berlin hat es nicht mehr nötig – billigen Weihnachts- und Kirmestrubel –, nur um Touristen anzulocken und Geld in die Kassen der Bezirksämter zu spülen, davon bin ich zutiefst überzeugt. Und ich würde mir so wünschen, diesen Platz einmal für ein paar Wochen in Ruhe zu lassen, in Ruhe wirken zu lassen, um die Großzügigkeit dessen, was hier in der Mitte Berlins entstanden ist und von so vielen Berlinern und Nicht-Berlinern so gut angenommen wurde, zu genießen.

Nun werde ich also bald wieder, zusammen mit hunderten Berlinern und Berlinbesuchern an diesem Firlefanz vorbeilaufen, Salzburger Holzhütten, Baucontainern, billigen Imbissbuden und einer „Rodelbahn“, die den gesamten Potsdamer Platz verschandelt, und das für viele Wochen.

Mal davon abgesehen, dass der Gehsteig neben der Rodelbahn durch den schmelzenden Schnee ständig nass sein wird, mag ich mir nicht vorstellen, wieviel Energie die permanente Aufschüttung des Kunstschnees bei Plustemperaturen und über so viele Wochen auffrisst.

Ein Platz, der mittlerweile als eines der Wahrzeichen dieser Stadt gilt, über den die Touristen laufen, um die Urbanität und den besonderen Flair von Berlin zu erleben, ist zugestellt mit einer „Salzburger Schmankerl-Hüttn“, der „Salzburger Stiegl Alm“ und am Wochenende gibt es auch noch „Live-Musik und Stimmung im Stil einer Après-Ski-Party“, ergänzt um Baucontainer und Wasserpfützen! Was soll das und warum macht Berlin das?

Ich verstehe es nicht und mit mir sicherlich immer mehr Berliner und Touristen.

Rudolf Bäumler, Berlin-Wilmersdorf

Bei unserem Besuch in den USA fanden wir am Rande des Regierungsviertels in Washington das Gebäude mit dem Namen „Newseum“. Vor dem Haus gibt es Glasvitrinen, in welchen die aktuellen Titelseiten der jeweils wichtigsten Zeitung jedes amerikanischen Bundesstaates vergrößert ausgestellt werden. Wir waren sehr überrascht und erfreut, dass unter den fünf nichtamerikanischen Zeitungen aus verschiedenen Kontinenten unser Tagesspiegel vertreten war. Einen freundlichen Gruß an die Redaktion

Wolfgang Lissy, Berlin-Frohnau

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