KZ Auschwitz : "Es ist eine Entweihung"

Der Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem KZ Auschwitz wurde gestohlen. Es war eine zielgerichtete Tat. Die Täter kannten sich gut aus, sie wurden von keiner Kamera aufgenommen, die an der Gedenkstätte instaliert sind.

Knut Krohn

Jaroslaw Mensfelt sprach zornig: „Es ist eine Entweihung der Stätte, an der mehr als eine Million Menschen

ermordet wurden, beschämend“, sagte der Sprecher der Gedenkstätte Auschwitz am Freitag im polnischen Radio. Wenige Stunden zuvor hatten Unbekannte den eisernen Schriftzug „Arbeit macht frei“ über dem Eingangstor der Gedenkstätte gestohlen. Das seien keine Vandalen gewesen, sagt Mensfelt. „Die wussten genau, was sie wollen.“ Die Täter kannten sich gut aus, und von den vielen Kameras, die die Gedenkstätte rund um die Uhr überwachen, war offensichtlich keine auf das Tor gerichtet, wo die Inschrift stand.

Nach Angaben der Polizei hat ein Hund ein Loch in der Außenmauer des 200 Hektar großen Areals gefunden. Man geht nun davon aus, dass das rund fünf Meter breite und ziemlich schwere Schild dort per Lieferwagen abtransportiert wurde. Bei dem eisernen Schriftzug seien an der einen Seite die Schrauben gelöst worden, an der anderen Seite sei er abgerissen worden. Inzwischen wurde eine Kopie der Originaltafel angebracht, die während der Renovierungsarbeiten angefertigt worden war.

Die Aufschrift „Arbeit macht frei“ gilt als ein Symbol für das Schicksal der Millionen Menschen, die die deutschen Nationalsozialisten ermordet haben. Sie ist die zynische Umschreibung für den angeblichen Erziehungszweck der Konzentrationslager, die auf Vernichtung der Menschen auch durch Zwangsarbeit ausgelegt waren. Der Satz ist dem Romantitel „Arbeit macht frei“ des deutschnationalen Autors Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1872 entlehnt. Der Schriftzug wurde wahrscheinlich von einem Häftling namens Jan Liwacz mit der Lagernummer 1010 angefertigt. Der Buchstabe „B“ in dem Wort „Arbeit“ steht auf dem Kopf und sei ein getarntes Zeichen des Ungehorsams.

In Auschwitz und im benachbarten Birkenau ermordeten die Nazis mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die meisten der Opfer waren Juden. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager von sowjetischen Truppen befreit und zur Gedenkstätte umgebaut. Geld war nie viel vorhanden, so dass die Gebäude verfielen. Daher wurde jüngst eine Stiftung zum Erhalt der Gedenkstätte ins Leben gerufen. Deutschland beteiligt sich in den kommenden fünf Jahren mit 60 Millionen Euro. Knut Krohn

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