Lärm in der Stadt : Kleinkleckersdorfer Stille

Mitten in der Stadt wohnen – und ruhig wie auf dem Dorf: Was sich die Besitzer der Townhouses auf der Halbinsel Stralau wünschen, könnte einem traditionsreichen Standort den Garaus machen. Auf der Insel der Jugend müssen die Konzerte ausfallen, weil Bewohnern auf der mehrere hundert Meter entfernten anderen Spreeseite die Ruhe fehlt. Nicht der erste Konflikt dieser Art, der sich an einer der begehrten Sonnenseiten in Berlins Zentrum zusammenbraut. Auch der legendäre Knaack-Club in Prenzlauer Berg musste aufgeben, weil die Bewohner eines angrenzenden Neubaus plötzlich entdeckten, dass sie zwar wegen des lebendigen Kiezes dorthin gezogen waren, dann aber doch lieber Kleinkleckersdorfer Stille bevorzugen. Wo viele Menschen zusammenleben, gibt es Konflikte: Ausgelotet werden muss deshalb immer, wo es ein berechtigtes Schutzinteresse gibt und wo es um knallhart durchgezogene Egoismen geht von Spießern, die sich fragen sollten, warum sie überhaupt in der Großstadt leben. Berlins Bevölkerung wächst, gerade in den zentralen Bereichen wird man künftig enger nebeneinander leben. Um so mehr muss sich Berlin darauf verständigen, wie viel Lärm zu einer Großstadt dazugehört – und nicht nur am Flughafen. Ruhe auf den billigen Plätzen zu befehlen, reicht nicht. gn

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