Leserbriefe : 1968 war einmal

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„Versuch, ein Weltproblem zu lösen“

von Harald Martenstein am 1. Dezember

Der Sohn meines Bekannten Peter ist im Irak stationiert. Peter ist ein New Yorker Investmentbanker und leitet eine Menschenrechtsorganisation. Sein 25-jähriger Sohn ging zur US Armee, um den Menschen im Irak beim Aufbau ihres Landes zu helfen. Ich habe keinen Sohn. Wenn ich aber einen hätte, und wenn dieser im Irak wäre, ginge es mir, glaube ich, genauso wie Peter: Ich hätte Angst und wäre extrem stolz.

Harald Martenstein regte sich in seiner Kolumne am 1. Dezember darüber auf, dass „die chancenlose Unterschichtjugend“ für Bush (und mich) in den Krieg geschickt wird. Das klingt nach Michael Moore. Es entspricht außerdem nicht den Tatsachen. Mehrere Studien zeigen, dass die amerikanische Freiwilligenarmee in Bezug auf Einkommen, Bildung und Rasse die gesamte amerikanische Gesellschaft widerspiegelt. Es gibt vermehrt Rekruten aus wohlhabenden Familien. Es ist nicht mehr 1968, Herr Martenstein. Und falls Sie es vergessen haben: Dies war auch mal ihr Krieg (Tagesspiegel, 17.12.02).

Um die Gewalt im Irak in den Griff zu kriegen will Herr Martenstein, dass die USA mit Syrien und Iran reden. Mit Syrien haben wir das immer wieder getan. Mit Iran haben wir es auch manchmal versucht. Es geht aber nicht um Reden sondern um Verhandlungen.

Was wollen die Syrer? a) ein Ende der internationalen Untersuchung im Mordfall von Rafik Hariri (die UN gehen davon aus, dass das Regime bei dem Mord seine Finger im Spiel hatte); b) Anerkennung einer syrischen Einflusssphäre im Libanon; c) keine weitere Einmischung des Westens bezüglich der Menschenrechtsverletzungen des Regimes; d) einträgliche Handelsbeziehungen mit der EU und den USA. Und der Iran? a) Anerkennung seines Rechts auf Atomwaffen; b) Anerkennung einer iranischen Einflusssphäre im Irak; c) keine weitere Einmischung des Westens bezüglich der Menschenrechtsverletzungen des Regimes; d) amerikanische Anerkennung der Mullah-Diktatur. Die Iraner würden sicher auch noch gerne darüber reden, wie und wann man Israel von der Landkarte wischen könnte.

Was sollen wir denn zuerst anbieten, Herr Martenstein?

Jeffrey Gedmin,

Direktor des Aspen-Instituts, Berlin

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