Leserbriefe : Abschiedsfeier – aber für alle Berliner

Zur bevorstehenden Schließung

des Flughafens Tempelhof

Man muss nun nicht unbedingt eingefleischter Berliner sein, um viele Erinnerungen und Erlebnisse mit dem Flughafen Tempelhof zu verbinden. Gerade die älteren Berliner verbinden mit dem Flughafen Tempelhof auch eine Epoche der Entbehrungen, der Ängste und der Hoffnungen. Für sie ist er nicht nur irgendein Flughafen oder irgendein Gebäude, sondern ein Denkmal, dass an eine sehr schwierige Zeit erinnert.

Nun wird der Flughafen am Ende des Monats geschlossen. Der Senat ließ verkünden, dass es eine Abschiedsfeier geben wird für circa 800 geladene Gäste und dass die allgemeine Bevölkerung nicht an dieser Abschiedsfeier teilnehmen wird. Punkt – Aus – Ende. Ich sehe die Feier im Geiste schon vor mir. Man wird für viel Geld noch ein paar ehemalige Piloten der Rosinenbomber aus den USA einfliegen, Vertreter der Politik lassen sich scharenweise in ihren voluminösen Dienstwagen bis direkt ans Buffet chauffieren, Schauspieler und andere Künstler schreiten wieder in endlosen Schlangen durchs Blitzlichtgewitter über den roten Teppich, obwohl sie mit dem Flughafen nie was zu tun hatten, um sich dann nach einer kurzen, herzergreifenden Abschiedsrede durch unseren Regierenden Bürgermeister wie die Wickinger aufs opulente Buffet zu stürzen und anschließend Champagner schlürfend bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein schwingen … la dolce Vita.

Ich kann nicht verstehen, warum es nicht möglich ist, auch für die Bevölkerung eine kleine Abschiedsfeier zu veranstalten. Schließlich gehört der Flughafen den Berlinern – und nicht ausschließlich unseren Politikern.

Thomas Großkortenhaus,

Berlin-Lichterfelde

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