Leserbriefe : Alles eine Frage der Prioritäten

„Wo der Spaß aufhört / In Berlin-Kreuzberg zu leben, ist immer noch angesagt – aber nur ohne Schulkinder“

von Susanne Vieth-Entus vom 26. Juni

Es ist beileibe in Kreuzberg nicht so, dass alle bildungsinteressierten Eltern aus Kreuzberg fortziehen wenn die Kinder zur Schule gehen. Im Gegenteil, das war in früheren Jahren erheblich stärker der Fall als heute. Der Traum vom grünen Speckgürtel ist bei Weitem nicht mehr so attraktiv wie in den Nachwendezeiten, viele Menschen wünschen sich urbanes Leben mit Kindern. Und Kreuzberg ist ein überaus geeignetes Pflaster dafür, entgegen allen Unkenrufen. Vor allem, wenn sich die Politik auch nur annähernd in dem Maße dem Schulproblem stellen würde, wie es ihre Vertreter in jeder Talkshow behaupten.

Viele Kreuzberger Schulen haben gelernt, mit dem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund gut umzugehen und würden auch weiterhin zukunfsfähige Konzepte erarbeiten wollen, die letztlich allen zugute kämen. Das Problem ist daher auch nicht der hohe Anteil dieser Kinder an den Schulen, sondern die Kaltschnäuzigkeit, mit der weiter Gelder gestrichen werden, und mit der protestierende Eltern selbst von verantwortlichen Politiker(innen!) als Bürgerkinder mit zu viel Anspruch abgefertigt werden, die doch mal sehen sollten wie es in Marzahn aussieht.

Dass es ebendiese Volksvertretergarde ist, die selbst gut verdient und ihre Kinder lieber woanders in die Schule schickt, sich selbst aber links schimpft, ist bezeichnend. Es ist halt doch letzlich alles nur eine Frage der Prioritäten. Und das gilt im besonderen Maße für die Frage, für welche Zwecke Geld, das knapp ist, ausgegeben werden kann und muss. Das wissen Menschen, die sich für Kinder entscheiden,übrigens sehr gut.

Michael Wießler, Berlin-Kreuzberg

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