Leserbriefe : Andere machen es besser als die Charité

„Pauken macht den Arzt / Eine große Reform des Medizinstudiums ist überfällig. Doch der Charité fehlt dazu wohl die Kraft“ von Rosemarie Stein vom 4. Dezember

Mit seinem Abschiedsbrief an die internationalen Gutachter hat Dieter Scheffner eines erreicht. Die Universitätsleitung ist aufgeschreckt und bezieht öffentlich Stellung.

Von den erfahrenen Mitarbeitern des Reformstudiengangs ist so gut wie keiner geblieben. Sie sind gegangen aus Frust, Erschöpfung und zum Selbstschutz. Und ihre Stellen sind nicht nachbesetzt worden, absurderweise auch mit dem Hinweis darauf, dass bald ein Modellstudiengang für alle komme. Dieser wird nun wieder mit einem festen Datum angekündigt, das von vornherein mit vielen Fragezeichen versehen ist.

Wenn dann noch Schwerpunkte benannt werden wie „Gesprächsführung mit Patienten“, komme ich aus dem ungläubigen Staunen nicht mehr heraus. Genau dieses haben wir unterstützt von der damaligen Lehrdekanin Prof. Reisinger schon 2002 mit den Erfahrungen aus dem Reformstudiengang obligat für alle Studierenden entwickelt. 300 Studierende in Kleingruppen mit einem festen Gruppenleiter – Training mit Schauspielerpatienten. Vertreter anderer Fakultäten haben interessiert hospitiert und Ähnliches aufgebaut.

Die Charité hat dieser Unterrichtsveranstaltung im Wintersemester 2006/07 ein Ende gesetzt. „Offiziell“ scheiterte es an einer halben (!) Stelle, die zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch durch Werkvertrag besetzt war. Die Begleitumstände waren damals ausgesprochen schäbig. Geblieben ist immerhin das Wissen darum, dass an anderen Unis der in Berlin begonnene Weg fortgesetzt wird.

Prof. Dr. Ulrich Schwantes, ehem. Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Charité, Kremmen/OT Sommerfeld

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