Leserbriefe : Auch am Wochenende werden Kinder krank

„Fünf Stunden Wartezeit in der Rettungsstelle“ von Sabine Beikler vom 3. April

Man muss nicht Opfer elterlich-pathologischer Ängstlichkeit sein, um in große Sorge zu geraten, wenn die Fieberkurve des eigenen Kindes 41,x Grad beträgt oder Durchfall und Erbrechen sich mit Hausmitteln nicht stoppen lassen.

Von Montag früh bis Freitagmittag gibt es in Berlin ausreichend Kinderärzte, die sich der kleinen Patienten annehmen. Aber was ist, wenn das Malheur Freitagnachmittag beginnt? Warum gibt es nur eine einzige Berliner Kinderarztpraxis, die einen Notdienst anbietet? Die Antwort liegt auf der Hand. Es gibt kaum einen finanziellen Anreiz für kinderärztliche Öffnungszeiten am Wochenende. Während das Praxispersonal mit Gehaltszuschlägen entlohnt werden muss, haben die Ärzte lediglich bei Privatpatienten die Möglichkeit, Zuschläge in Rechnung zu stellen. Mein Appell an die Berliner Praxen: Öffnen Sie! Mein größerer Appell an den Senat und die KV: Stellen sie eine angemessene Honorierung eines Einsatzes zu ungewöhnlichen Zeiten sicher! Eltern akut kranker Kinder werden dankbar sein.

Stefan Kuhnert, Berlin-Hakenfelde

Chaotische Zustände in der Kinderrettungsstelle des Klinikums Neukölln (und den anderen Krankenhäusern) sind nichts Neues. Seit Monaten versuche ich, die Verantwortlichen, die etwas daran ändern könnten, an einen Tisch zu bekommen, bislang ohne Erfolg: Einer schiebt dem anderen die Schuld an der Misere zu. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin steht offenbar auf dem Standpunkt, dass Kinder zu den normalen Sprechzeiten der niedergelassenen Kinderärzte krank werden sollen. Man könnte aber vermehrt Sonntagsprechstunden anbieten – wozu man die Genehmigung der Senatsverwaltung braucht. Für die Senatsverwaltung für Gesundheit steht aber der Schutz von Sonn- und Feiertagen an oberster Stelle. Sie fordert stattdessen die Verbesserung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes sowie verstärkte Mitarbeit der niedergelassenen Kinderärzte in den Rettungsstellen – wobei sie der KV das nicht vorschreiben kann.

Die Reaktion von KV und Senatsverwaltung auf mein Vermittlungsangebot: Man sieht keinen Gesprächsbedarf! Leidtragende in einem Gesundheitssystem, das den meisten weniger lieb als teuer ist, sind Eltern und kranke Kinder und natürlich die Klinikärzte in den Rettungsstellen. Bleibt zu hoffen, dass wir durch weitere Bemühungen auf politischer Ebene und durch öffentlichen Druck die Bürokraten von KV und Senat letztendlich und hoffentlich doch in Bewegung setzen können. Wer nur einmal am Wochenende mit seinem kranken Kind – und sei es nur aus Übervorsichtigkeit oder weil er es in einer stressigen Arbeitswoche nicht anders hinkriegt – Stunden in einer mit besorgten Eltern und kranken, manchmal schreienden und weinenden Kindern überfüllten Kinderrettungsstelle verbracht hat, weiß, wie wichtig das ist.

Falko Liecke (CDU), Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Gesundheit,

Berlin-Neukölln

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