Leserbriefe : Bäderbetriebe verschenken Einnahmen

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„Die Wasserwirtschaft“ vom 13. Oktober 2004

Nun war es also das Wetter, das zu den desaströsen Einnahmeverlusten der Bäderbetriebe geführt hat. Lag es nicht etwa an dem völlig „beknackten“ Einfall, bereits im Mai – angeblich aus technischen Gründen – und dann bis Ende August die Hallenbäder zu schließen? Bis dahin hatten einige Wochen in den Sommerferien für Inspektion und Überholung dieser Bäder immer ausgereicht.

Zwar votierte bei einer Umfrage des Tagesspiegels eine Mehrheit von 92 Prozent für die Offenhaltung der Hallenbäder, aber was gibt man hier in Berlin schon auf die Wünsche der Öffentlichkeit?

Als die Einnahmen bereits katastrophal weggebrochen waren, weil niemand Lust hatte in den Freibädern zu frieren, war es plötzlich möglich, einige Hallen tageweise wieder zu öffnen. Viel zu spät! Der Schaden war schon eingetreten. Und wie immer, wenn ein unfähiges Management Millionenverluste erwirtschaftet, hatte das für die Verursacher keine Folgen.

Diese Bäderbetriebe nutzen aber noch eine weitere Möglichkeit, das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauszuschmeißen: Es gibt in Berlin eine Anzahl Sportvereine, die – inklusive Nichtschwimmer – in den öffentlichen Hallen kostenlos baden dürfen. Dazu gehören illustre Klubs, deren betuchte Mitgliedschaft locker jährlich einige hundert Euro pro Nase erübrigt, um eigene teure Sportanlagen – z.B. Tennisplätze oder ein beheiztes Schwimmbad – zu betreiben. Die aber nicht bereit ist, für das Baden in öffentlichen Einrichtungen Eintritt zu bezahlen.

Es verwundert nicht, dass bei derartigem Missmanagement der Bäderbetriebe der reale Eintrittspreis 7,80 Euro betragen müsste. Den könnte man sicherlich um einiges senken, wenn alle Benutzer der öffentlichen Bäder (außer Schulschwimmer) Eintritt bezahlen würden. Maßstab könnte der Preis sein, den die Rentner bezahlen müssen (4 Euro!).

Bei der Vielzahl der Nutznießer, die sich da auf Kosten des zahlenden Publikums und der Allgemeinheit amüsieren, muss man kein Rechenkünstler sein, um – übers Jahr kalkuliert – auf einige hunderttausend Euro verschenkte Einnahmen zu kommen. Anstatt darauf zu verzichten, dafür aber ständig über Subventionskürzungen zu jaulen, sollten die Bäderbetriebe endlich diese Möglichkeit ausschöpfen und damit auch sofort anfangen.

Frank Zeidler, Berlin-Moabit

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