Leserbriefe : Bauernhöfe sind Wirtschaftsunternehmen

„Landwirtschaft. Was auf Bauern und Verbraucher zukommt“ von Dagmar Dehmer , Thomas Gack und Tina Kramhöller

vom 21. Mai

Immer schön dreinschlagen auf die Großbetriebe. Meine Familie betreibt seit 400 Jahren in Bayern Landwirtschaft. Ich kann nicht sagen, dass wir dabei reich geworden sind, und wenn ich mir die Bilder aus den 50ern anschaue, dann lebt der normale Harz-IV-Empfänger heute luxuriös dagegen. Wenn ich die Rente meiner Großmutter sehe, dann bekomme ich das Heulen, und die Perspektive für den Betrieb ist, dass es vermutlich keinen Hofnachfolger mehr gibt, weil es sich nicht mehr rechnet und mein Cousin keine Lust mehr hat, eine 60-Stunden-Woche zu schieben und sich dann auch noch als Subventionslaus bezeichnen zu lassen. Können Sie mir sagen, was an einem Familienunternehmen mit nur einer steuerpflichtigen und mehreren nicht versteuerten und in der Regel auch nicht bezahlten Familienarbeitskräften besser sein soll als an einem Unternehmen wie unserem, welches 20 steuerpflichtige Arbeitsplätze schafft und professionell geführt wird?

Weiter: Der Ökolandbau soll ja mit der Umverteilung auch schön gefördert werden. Auf die Idee, dass es auch große Ökobetriebe gibt, die massiv von den Kürzungen betroffen sind, kommen Sie wohl nicht. Wie auch, würde ja ihr Bild des kleinen Ökobetriebes mit Hofladen zerstören. Große Ökobetriebe, oh nein, das wären ja zum Schluss auch Agrarfabriken, das darf nicht sein. Was glauben Sie denn eigentlich, wo all die schönen Bioprodukte bei Lidl, Aldi und Co. herkommen?

Und dann der Clou: Was bitte soll denn die Senkung der Subventionen mit sinkenden Lebensmittelpreisen zu tun haben? Glauben Sie denn wirklich, wir hauen uns hier die Taschen so voll, dass wir, ohne mit der Wimper zu zucken, auf fast die Hälfte unserer Einnahmen verzichten könnten und zum Dank dann auch noch die Preise senken können?

Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Die Preise gestaltet der Markt, so haben wir es uns jahrzehntelang anhören müssen. Nun ist es so weit und schon schreien alle nach niedrigeren Preisen. Wenn man aber Billigstpreise für gesellschaftlich erstrebenswert hält, muss man diese wohl oder übel subventionieren.

Johann Meierhöfer, Niederer Fläming, Ortsteil Werbig

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