Leserbriefe : Berlin spart – und es quietscht bei sozial Schwachen

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„Sparen ist möglich – Berlin zeigt wie“

vom 18. November 2005

So, als handele es sich um den PR-Agenten von Finanzsenator Thilo Sarrazin, schönfärbt Ulrich Zawatka-Gerlach in seinem Beitrag die Sparstrategien des Landes Berlin, bewundert das Unterbieten des Je-Einwohner-Defizits Bremens, träumt von 2007, wo, wie ich ihn verstanden habe, nach seiner Prognose „die Hauptstadt, zum ersten Mal seit 1990, den reichen Stadtstaat Hamburg überflügeln wird“. Was in diesem Beitrag fehlt, ist die Schlussforderung: „Sarrazin for President.“

Ist Ulrich Zawatka-Gerlach eigentlich verborgen geblieben, zu wessen Lasten der finanzgewaltige Berliner auch spart? Warum benennt er nicht die skandalösen Strangulierungen, die Sarrazin der Kinder- und Jugendhilfe verordnet, wo das Budget von 451 Millionen Euro im Jahr 2002 auf 290 Millionen Euro im Jahr 2007 sinkt. Ihm ist ganz gewiss bekannt, dass Kürzungen z.B. in den Positionen Kita, Erziehung, Kinder und Jugend volkswirtschaftliche Spätfolgen bei den Bereichen Berufliche Bildung, Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe produzieren?

Zawatka-Gerlach fragt gleichfalls nicht danach, warum die Berliner Tafel, die Suppenküchen und Wärmestuben Hochkonjunktur haben? Das ist das andere Gesicht des „Berlin zeigt wie“-Sparrigorismus.

Susanne Kahl-Passoth, Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz, Berlin

„Barbara John kritisiert Kürzungen bei Erziehungshilfen“ vom 15. November 2005

Danke für diesen Artikel, der die Situation klar benennt und zum Hinschauen auffordert. Wollen die Bürger dieser Stadt in einem Land, das sich Kinderfreundlichkeit und eine Steigerung der Geburtenrate auf die Fahnen geschrieben hat, verantworten, dass bei den Schwächsten, den benachteiligten Kindern, derartig viel gestrichen wird? Diese Kinder gibt es bereits, auch sie sind die Zukunft von uns allen!!! Sie haben ebenso wenig eine Lobby wie diejenigen, die jetzt die Hilfen leisten. Diese Menschen brauchen nicht Kündigungsdruck, sondern Unterstützung.

Birgit Hentschke-Huchthausen,

Berlin-Zehlendorf

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