Leserbriefe : Berlins Gasversorgung hat Geschichte

Zum Interview mit den Gasag-Chefs

Czernomoriez und Prohl vom 6. Dezember

Das Interview mit den beiden Vorstandsmitgliedern der Gasag über die Kostenstruktur der Berliner Gasversorgung ist sehr aufschlussreich und nachvollziehbar. Es ist gut, dass die Gaskunden wissen, sie sich der Preis zusammensetzt. Und die Veränderung der Eigentumsverhältnisse könnte von Vorteil sein.

In einem allerdings muss ich den Herren widersprechen. Sie erwecken den Eindruck, als hätte sich die Gasag von einem Verlustunternehmen zu einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen dadurch entwickelt, dass es von einem Eigenbetrieb von Berlin in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und privatisiert wurde. In zehn Jahren bis 1992 hat die Gasag der Stadt einen Verlust von 400 Millionen Euro gebracht. Die Ursache für diesen Verlust wird aber verschwiegen. Bis 1989 war West-Berlin eine Insel, das führte zu einer Verzögerung der Erdgasumstellung, und das bedeutete, Gas musste aus Kohle und Leichtbenzin hergestellt und die Rohstoffe von weither transportiert werden. Um die Gaskunden nicht über Gebühr zu belasten, erstattete das Land Berlin den Verlust, bekam dieses Geld aber vom Bund. Als 1986 Berlin Erdgas aus der UdSSR bekam, musste auf Anordnung der alliierten Schutzmächte ein Jahresvorrat angelegt werden wie für alle lebenswichtigen Güter. Das konnte nur durch einen Untertagesspeicher geschehen, der zig Millionen kostete. Hiervon profitieren die Gasag und ihre Kunden noch heute.

Nach der Wende musste das total marode Gasrohrnetz in Ost-Berlin saniert werden, weil in der DDR die technische Sicherheit in vielen Bereichen total vernachlässigt worden war. Auch das kostete viele Millionen.

Nicht und Unternehmensform war schuld an den hohen Verlusten, sondern die politische Situation und deren Entwicklung. Die Grundversorgung in der öffentlichen Hand ist keineswegs ein Fehler.

Dr.-Ing. Jan-Derk Aengeneyndt,

Berlin-Lankwitz

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