Leserbriefe : Dem C verpflichtet

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„Wo sind die Christen in dieser Stadt?“ vom 8. Mai 2006

Ich danke, dass P. Mertes das anspricht, wozu das C im Namen meiner Partei verpflichtet. Ich war fassungslos, als ich das Ergebnis der Abstimmung zu Familie Aydin las: Integrierte, engagierte Mitmenschen, die unser Land lieben – und deren Familie soll, entgegen dem Votum der Härtefallkommission, zerrissen werden. Die Härtefallkommission ist kein Gremium von sentimentalen Softies. Dort sitzen Menschen, denen der Sinn einer Entscheidung wichtiger ist als ihre detaillierte formale Genauigkeit. Sie hat mir mehr als einmal zu sinnvollen Lösungen in komplizierten Fällen verholfen.

Und nun die Moschee. So weit ich weiß, ist die islamische Gemeinde, die dort bauen will, keineswegs radikal oder integrationsfeindlich. Da ist ein solcher Ort Chance der Begegnung. Wir haben im Katholischen Deutschen Frauenbund Berlin sowohl unter meinem Vorsitz wie unter dem meiner Nachfolgerin Frau van Schwick Begegnungen mit muslimischen Frauen verwirklicht und im jetzigen Jahresprogramm steht die Intensivierung solcher Begegnungen. Als Christen dürfen und müssen wir unseren Glauben bekennen und zugleich den des anderen anerkennen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat vor kurzem erstmals mit der Konferenz der Rabbiner gemeinsam getagt. Diese Haltung bestimmt uns auch im Streit um das Schulfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER), in dem die CDU, wie auch P. Mertes erwähnt, die angemessene Position einnimmt: Wir sind nicht gegen LER, wohl aber gegen dessen alleinige Allmacht, die den Unterricht der Glaubensgemeinschaften verdrängt. Es geht nicht um ein Lexikonwissen, es geht um das Ja zu engagiertem Bekenntnis in diesem um das Miteinander, nicht Nebeneinander oder gar Gegeneinander, der Unterschiedlichen. Das ist der Reichtum unserer Gesellschaft, unseres Berlin.

Dr. Dr. h. c. Hanna-Renate Laurien (CDU), Berlin-Lankwitz

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