Leserbriefe : Der Bär ist los

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„Auf der Abschussliste“ vom 24. Mai 2006

Befürchteten die Deutschen jüngst noch, von der Vogelgrippe hinweggerafft zu werden, Terroristen, Rechtsextremisten oder Rütli-Schülern zum Opfer zu fallen, so manifestiert sich jetzt die wahre Gefahr für Leib und Leben der Bundesbürger: Ein mordlüsterner Braunbär, der wie ein apokalyptischer Reiter über das paradiesische Bayern hinwegfegt und Hekatomben von Schafen und Hühnern metzelt – immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick, einem saftigen Stück Menschenfleisch!

Gott sei Dank wissen die Bayern, wie man solchen Ausgeburten der Hölle entgegentritt und so pirschen sich jetzt schwer bewaffnete Jäger der Erfüllung ihres feuchten Traumes entgegen. Statt des obligatorischen Feldhasen endlich mal ein kapitales Raubtier niedermachen – und das auch noch für umsonst – was für ein unverhofftes Glück!

Die Waidkollegen in Sachsen und Brandenburg wittern übrigens auch schon Morgenluft – nun wird man doch wohl endlich mit dem Wolfspack aufräumen dürfen. Erste von donnernden Salven begleitete Schlachtrufe wie „Rache für Rotkäppchen!“ sind bereits zu vernehmen! Der Laie wundert sich nur, dass angesichts dortiger Bärenpopulationen überhaupt noch Spanier, Italiener, Slowenen, Rumänen, Skandinavier und Balten existieren. Die müssten den Bestien doch nicht schlechter schmecken als ein strammer Bayer, oder?

Rainer Kientopf,

Berlin-Staaken

„Fang den Bär“ vom 27. Mai 2006

Dass Edmund Stoiber über bescheidene Rhetorikfähigkeiten verfügt und mit Syntax, Semantik und besonders seinen Metaphern auf Kriegsfuß steht, erfreut viele Leser und Hörer.

Aber dass der Tagesspiegel einen Artikel mit „Fang den Bär“ überschreibt und das Bild mit „Das einzige Foto von dem Bär“ unterschreibt, fuchst schon. Oder sollte der Bär doch mit der Kamera umgehen können? Glücklicherweise hat die Autorin im Text den Bären richtig dekliniert. Sonst bewegte man sich bei der Vermittlung der richtigen Grammatik in der Schule auf dünnem Eis, wenn einem die Kinder den Tagesspiegel unter die Nase halten und auf „den Bär“ verweisen.

Hartmut Raatz, Berlin-Steglitz

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