Leserbriefe : Die Ausbildung darf nicht vernachlässigt werden

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Betrifft: „Die Architekten sind die Verlierer“ vom 25. Januar 2004

Herr Schlicht hat seine aufrüttelnde Überschrift aus der Lektüre des „Strukturrahmenkonzepts der Technischen Universität Berlin“ gewonnen, das deren Präsident in Kürze dem Akademischen Senat vorlegen wird.

Auch in der Architektenschaft der Stadt ist dieses Papier studiert worden, und man wundert sich über das, was Herr Schlicht da wohl gelesen haben mag. Dass sein Bericht über die Situation der Architektur an der TU so überaus fehlerhaft ausfällt, kann mit Fahrlässigkeit nicht mehr erklärt werden und stellt die Frage nach dem Vorsatz für diesen journalistischen Alarm.

Man kann erwarten, dass die „Fakultät für Architektur, Umwelt und Gesellschaft“ der Hochschule ihrerseits selbst für die Richtigstellungen zur künftigen Lehr- und Forschungssituation sorgen wird. Für die Architekten der Stadt bleiben allerdings das Motiv des Autors und die Absichten, was mit seinem Beitrag angestoßen oder angerichtet werden soll, unklar. Sollen sie als „loser“ gegen das „bedeutende Fach“ der Bauingenieure ausgespielt werden? Soll sich die Architekturlehre künftig etwa als Appendix der Ingenieurwissenschaften verstehen und sich auf ein technisch dominiertes Ausbildungskonzept einrichten? Oder sollten schließlich nach Meinung des Autors – schrumpfungsbedingt – die Architekten an der TU etwa ganz verzichtbar werden? Der unbedachte Mangel an Präzision und die Unschärfe der Berichtziele befördern allenfalls die verzichtbare Spekulation. Eine vertiefende Auseinandersetzung dürfte man wohl als Nacharbeit an dieser Stelle erwarten.

Prof. Dr.-Ing. Jörn-Peter Schmidt-Thomsen, Präsident der Architektenkammer Berlin

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