Leserbriefe : Die DDR nicht vergessen

„Mehr DDR-Historie in die Schule“

vom 14. August

Vor einiger Zeit habe ich eine Führung im Kanzleramt mitgemacht. Zu Beginn gab es im Informationszentrum einen Film über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auch dort kam die DDR so gut wie nicht vor. Es sind also nicht nur die Berliner Schulen.

Nikolaus Petersen, Berlin-Schöneberg

Anscheinend haben viele Berliner Lehrer „Wichtigeres“ zu tun, als sich mit dem DDR-Unrechtsregime kritisch auseinanderzusetzen. Ich habe eine Bilderausstellung von Jugendlichen in einer Ostberliner Schule zum Irakkrieg bestaunt. Ich erinnere mich besonders an ein Bild, auf welchem der US-Präsident als ein brutaler Eroberer abgebildet war und dem irakischen Volk „euer Land gehört mir“ verkündete. Es ist eben bequemer, sich mit populären Themen zu beschäftigen und alte Klassenfeinde zu attackieren.

Panos Alevizakis, Berlin-Hermsdorf

Im Rahmenplan für das Fach Geschichte der Sekundarstufe I sind unter dem Thema „Konfrontation der Blöcke und die Deutsche Frage“ folgende Inhalte zu finden: Ost-West-Gegensatz, Kalter Krieg, Überwindung der Blockkonfrontation; Leben in Deutschland, Aspekte der Alltagsgeschichte (Europäische Einigung). Die vorgesehenen Inhalte sind damit vollständig wiedergegeben. Die Begriffe DDR, Mauer, Stasi, Einparteienstaat, Sozialismus, Planwirtschaft oder NVA kommen im Rahmenplan nicht vor. Folglich sind die Kenntnisse des Schülers dem Zufall und der Verantwortung der Lehrkraft überlassen.

Der Unterricht soll stattdessen „untersuchen, überdenken, bewerten, Hypothesen aufstellen, entdecken, beschreiben“ usw., alles sehr wichtige methodische Fertigkeiten, doch die Lehrpläne sind nicht – wie Herr Frisse sagt – „knapper“, sondern inhaltsleer, und an die Adresse von Herrn Müller ist zu sagen, dass „die jüngste Geschichte … (nicht) zu wenig berücksichtigt wird“, sondern gar nicht, es sei denn die Lerngruppe entscheidet sich, die Inhalte in dem gegebenen Lehrplan selbst aufzugreifen.

Die Kritik von Herrn Thierse und Herrn Müller ist die Grundlage für die schon jetzt überfällige Überarbeitung der Lehrpläne, denn Methodenkompetenz ohne einen verbindlichen inhaltlichen Mindestkanon ist nicht nur verantwortungslos gegenüber Schülern, sondern auch gegenüber einer Orientierung suchenden Öffentlichkeit.

Johannes Weischede, Berlin-Kladow

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