Leserbriefe : Die Finanzkrise kann auch eine Chance sein

Zur Finanzkrise

Dass das Gedicht „Hymnus auf die Bankiers“ von Erich Kästner im Tagesspiegel zu lesen war, auf der TITELSEITE, das hat doch einfach Klasse!

Herzlichen Dank, Tagesspiegel.

Christoph Kaulbach, Berlin-Mitte

Ich bin jetzt ja wirklich beruhigt, dass der Bund für die Spareinlagen garantiert. Nur, wer ist denn dieser Bund eigentlich? Hat dieser etwa Milliarden irgendwo versteckt, von denen ich nichts weiß? Wer garantiert oder bürgt, muss damit rechnen, dass die Garantie/Bürgschaft eingefordert wird, und somit das Geld haben. Wo ist es? Oder muss ich als Steuerzahler für meine Spareinlagen selbst bürgen?

Gerda Dörfler, Berlin-Pankow

Die Idee von Angela Merkel, Manager in Haftung zu nehmen, ist richtig. Es bleibt allerdings abzuwarten, was daraus am Ende wirklich wird. Denn der Grundkonsens im politischen Berlin lautet gerade gegenüber der Privatwirtschaft, freiwillige Selbstkontrollen richtigen Reformen vorzuziehen. Dies hat im Regelfall zur Folge, dass Probleme nicht gelöst, sondern vertagt werden!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel hat versprochen, dass angesichts der Bankenkrise die Bundesregierung für Spareinlagen und Guthaben auf Privatkonten unbegrenzt bürgt. Das hört sich erst mal prima an und wird landauf, landab in allen Medien immer wiederholt, allerdings ist das wohl viel Wind um nichts.

Der Zweck war wohl hauptsächlich, Panik zu vermeiden und ein wenig den Umstand zu verschleiern, dass trotz des Versprechens nichts für die Inhaber kleinerer Geldmengen getan wird, aber alles für die Schuldigen der Krise. Dass eventuell auf die Schnelle keine sinnvolle Alternative dazu bestehen mag, macht die Sache nicht besser.

Ansonsten frage ich mich, woher die Regierungen in den USA und Europa das Geld eigentlich nehmen, mit denen sie die angeschlagenen Banken retten wollen. Leihen? Vielleicht durch Geschäfte erwirtschaften, mit denen die Banken erst in die Krise kamen? Nun, im Gegensatz zum Luftgeld, mit dem die Banken jonglierten, dürfte das dann Geld sein, für das viele Menschen werden hart arbeiten müssen.

Klaus Cammin, Berlin-Moabit

Ganz herzlichen Dank für Ihre umfassende und sehr viel Kenntnisse vermittelnde Berichterstattung. Auch Ihre Kommentare sind sehr treffend. Nun hat ja auch die Bundesregierung begriffen, dass sie der Bevölkerung etwas mehr Informationen schuldet. Harald Schumann hat dies im Tagesspiegel ja schon sehr frühzeitig gefordert.

Andreas Hein, Berlin-Rudow

„Zwischenruf: Kapitalismus? Ein gutes System“

von Ursula Weidenfeld vom 9. Oktober

Dass der Kapitalismus genauso am Ende sein könnte wie der Sozialismus, das will ich nicht hoffen.

Es ist aber falsch zu behaupten, dass die einzige Alternative zum Kapitalismus die Rückkehr zum Sozialismus sei und dass das Sozialismus gewesen sei, was Ende des vorigen Jahrhunderts gescheitert ist. Gescheitert sind vielmehr undemokratische und nicht reformfähige politische Systeme, die sich über die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerung hinweggesetzt haben und nicht begriffen haben, dass man das Volkseigentum marktwirtschaftlich mehren muss.

Wenn der Kapitalismus es ebenso wenig schaffen sollte, im Interesse der gesamten Menschheit zu wirtschaften, werden wir alle schrecklichen Zeiten entgegengehen. Aber immerhin hat der Kapitalismus bisher in Ansätzen gelernt, dass Marktwirtschaft nur als soziale Marktwirtschaft den Bedürfnissen der Menschen dient. Jetzt muss er auch noch lernen, dass er sich demokratischer Kontrolle unterwerfen muss wie alle anderen gesellschaftlichen Kräfte.

Es hat sich gezeigt, dass der Kapitalismus aus sich selbst heraus nicht zur Entwicklung von verbindlichen Regeln für alle seine Teilnehmer fähig ist. Nicht ohne Grund wird jetzt in der Krise nach dem Staat gerufen. Das Wehgeschrei darüber, dass die Staaten jetzt die Verluste sozialisieren müssen, nachdem die Gewinne privatisiert worden sind, gibt den Demokratien der Welt die einmalige Chance, selbstbewusst einzufordern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Auch die Freiheit der Wirtschaft ist die Freiheit der anderen. Das gilt es durchzusetzen. Nicht Gewinnmachen ist Ziel des Wirtschaftens, sondern Ziel ist das Wohl der gesamten Menschheit in einer Welt, deren Natur nicht vor planloser Ausbeutung aus den Fugen gerät.

Nicht „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“, muss es heißen, sondern „Parlamente und Regierungen aller Länder, vereinigt euch und setzt demokratische Regeln im Kapitalismus durch“.

Ingeborg Bohrmann, Dortmund

„Kapitalismus ist wie Fußball“

von Harald Martenstein vom 5. Oktober

Ich stimme mit Ihnen weitgehend überein, finde aber, dass Sie die naheliegende und entscheidende Schlussfolgerung nicht ziehen oder nicht ziehen wollen.

Sie vergleichen den Kapitalismus – oder die Marktwirtschaft, wie ich lieber schreibe, um nicht in falschen Verdacht zu geraten – mit einem Fußballmatch, bei dem der Staat (oder die EU oder die WTO oder was auch immer) den Schiedsrichter und die Kapitalgesellschaften die Mannschaften darstellen. Richtig! Und die Arbeitnehmer den Ball.

Dr. Ernst Zivier, Berlin-Zehlendorf

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