Leserbriefe : Die Patienten zahlen drauf

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„Gesund bleiben“ vom 6. Oktober 2006

Der Autor vermittelt den Eindruck, als ob die Koalition die Vergütung im ambulanten Versorgungsbereich verändern wollte. Geplant ist aber eine kostenneutrale Einführung einer neuen Gebührenordnung. Das bedeutet für die Versorgung der Patienten in Berlin, dass weiterhin circa 500 Millionen Euro an ambulanten Leistungen nicht vergütet werden. Die Behauptung, dass ab 2009 die ambulanten Leistungen in Euro vergütet werden ist daher irreführend, da auch jetzt schon die Leistungen in Euro, allerdings leider nur ca. 60–70 Prozent der erforderlichen Leistungen. Die Zwischenrechnung mit Punktwerten ist nichts anderes als eine Budgetierung mit dem Haken, dass die Kassenärzte das Erkrankungsrisiko ihrer Patienten selber tragen müssen: Kommen viele Kranke, dann ist bei Budgetmedizin der Punktwert im Keller. Diese Systematik wird nicht verändert. Die politische Nebelkerze der Bezahlung in Euro ist ein Buchungstrick: Denn die Eurotabelle wird nach Abrechnung dann „regionalisiert“ und umgepunktet auf die lokale Kassenlage. Die Budgets bleiben, die Ärzte tragen das Versicherungsrisiko der Krankenkassen weiterhin. „Nur bei einer Grippewelle kann eventuell etwas draufgelegt werden“ – aber wer stellt die Welle fest: das Ministerium, so kommt die Feststellung sicher nicht zustande. Die Vergütung der niedergelassenen Ärzte wird sicher verkürzt, da aus der derzeitigen Vergütung die über Kasseneinkaufsmodelle gewonnen Euro der Gesamtvergütung weiter entzogen werden. Eine flächendeckende haus- und fachärztliche Versorgung wird bei der zu erwartenden Zersplitterung der Versorgungsstrukturen nicht mehr stattfinden können. Die intakte Versorgungsstruktur wird zerstört und die Patienten zahlen drauf, nicht für die ärztliche Behandlung, sondern für überflüssige zunehmende Verwaltung (Fond) und neue Strukturen, deren Nutzen nirgendwo bewiesen ist.

Dr. Wolfgang Mitlehner,

Berlin-Moabit

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