Leserbriefe : Die westliche Welt knebelt Afrika

„Der überforderte Kontinent Afrika

sollte nicht im Sicherheitsrat

vertreten sein“ von Alexander Gauland

vom 17. November

Gaulands Vorahnung auf Verbindungen zwischen einflussreichen afrikanischen Ministern und wütenden Milizen, die in bester machiavellistischer Art friedensstiftende Missionen unterwandern und Entwicklungsgelder abzweigen, kann ich nachvollziehen. Auch entmutigt mich, dass Mugabe sich trotz völkerrechtlicher Bedenken scheinbar ohne Mühe an der Macht halten kann.

Weniger nachvollziehbar ist dagegen die Aussage Gaulands, wonach afrikanische Politiker nicht in allem Elend eine eingefädelte Intrige ehemaliger Kolonialmächte sehen sollten.

Entstehen durch „westliche“ Wegwerfgesellschaften nicht Konkurrenzmärkte (Kleiderboxen) in Afrika? Knebeln wir den „schwarzen“ Kontinent nicht mit unseren Schutzzöllen? Profilieren wir uns nicht als moralischer Waffenlieferant, der nur liefert und nicht abdrückt?

Mehr Scharfblick hätte ich von Gauland erwartet, mit den „westlichen“ Nationen härter ins Gericht zu gehen.

Jan-Philipp Küppers, Kiel

Die grundlegende Frage, die sich stellt, ist zunächst: War Gauland überhaupt schon mal in Afrika? Es hat den Anschein, dass er es noch nie war.

Abgesehen davon spricht es natürlich nicht für ihn, multiethnische Staaten (und damit meine ich nicht schwarz- weiß, sondern die Tatsache, dass dort verschiedenste Volksgruppen und Stämme in ein Land bestimmt wurden) wie Nigeria, Südafrika und Kongo mit Malaysia, Vietnam und einem Stadtstaat wie Singapur zu vergleichen. Außerdem gibt es sehr wohl stabile Regierungen außerhalb von Botsuana.

Das große Problem in Afrika ist die Ungleichzeitigkeit von Aufklärung und Entwicklung der Zivilgesellschaft in Bezug auf technische Möglichkeiten. Europa brachte die Waffen, machte die Grenzen, und sie kämpfen Europas Krieg, wofür man den heutigen Europäern natürlich keinen Vorwurf machen kann.

Dazu kommt der subtile Rassimus gegenüber den Schwarzen, der eine Zusammenarbeit von Weißen und Einheimischen auf Augenhöhe wie beispielsweise in Singapur oder Malaysia weit schwieriger macht.

Dieser Erkenntnis der jahrhunderte alten Unterdrückung (die sich natürlich in der Mentalität niederschlägt und in manchen Gegenden tatsächlich dazu geführt hat, dass sich die Menschen nicht mehr selbst versorgen können) durch aggressive, den Hals nicht voll bekommende Europäer als Lösung ein Ende der Entwicklungshilfe und das Verweigern eines Sitzes im UN-Sicherheitsrat (Zementierung der Niederwertigkeit) entgegenzustellen, spottet der Würde des Einzelnen und allgemein den Menschenrechten sowie der Geschichte derart extrem, dass das nur von jemandem kommen kann, der im anachronistischen Kosmos völkischer Nationen denkt.

Dennis Kazooba,

Berlin-Wedding

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