Leserbriefe : Eingesparte Energie ist die billigste

„SPD: Kernkraft senkt Preise nicht /

Warnung an Union vor

einem Atom-Wahlkampf“ vom 7. Juli

In dem Spagat zwischen Klimaschutz und bezahlbaren Energiepreisen kann eine neue Atomvereinbarung zwischen Politik und Energiekonzernen hilfreich werden. Im Jahre 2000 einigten sich die Bundesregierung und die Kraftwerksbetreiber auf den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Laufzeit der Atomkraftwerke wurde gemeinsam begrenzt. Energie mittels Atomkraft zu erzeugen, sollte eine Übergangstechnologie sein, und in dieser Zeit sollte alles getan werden, um Alternativen zu entwickeln.

Ist die Sicherheitslage heute besser? Man denke nur an die Störfälle bei uns in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel. Außerdem ist die Endlagerung noch lange nicht geklärt. Trotzdem erscheint ein Überdenken der Laufzeiten von neuen und sicheren Atomkraftwerken sinnvoll, mit der Bedingung, keine Atomkraftwerke neu zu bauen. Nur sollte dabei mit überdacht werden, dass eine längere Laufzeit der vorhandenen Atommeiler den Energieversorgungsunternehmen riesige Gewinne beschert. Es kann nicht sein, dass der Staat privatwirtschaftlichen Unternehmen mit solchen Beschlüssen zu riesigen Gewinnen verhilft. Die Energieversorger verdienen jetzt schon prächtig und müssen dann für eine längere Laufzeit ihrer Atomkraftwerke zur Kasse gebeten werden. Außerdem muss jetzt endlich viel mehr für alternative Energien getan werden, denn auch Uran ist genauso wie Gas und Öl nur begrenzt in unserer Erde vorhanden.

Karl-Heinz Füllberg, Berlin-Hermsdorf

Ein Energiekonzern, ob er Kohle, Öl, Strom oder Gas vertreibt, muss bestrebt sein, Absatz, Umsatz und Gewinn zu steigern. Aus dieser Sicht ist das Bestreben der Nachbarn nach Ausweitung der Kernkraft verständlich und auch logisch. Vernünftig und preiswert ist es nicht.

Abgesehen von unbekannten Kosten für die ungelöste Abfallproblematik bleibt die Frage nach der Effizienz außen vor. Energieeffizienz ist jedoch bekanntlich die sicherste Energiequelle der Industriestaaten, und jede eingesparte Energie ist auch die billigste.

Die meisten technischen Möglichkeiten der Energieeinsparung sind auch bekannt und müssen nur umgesetzt werden. Wärmedämmung ist kein Buch mit sieben Siegeln, ein entdrosselter Ottomotor mit geregelter Aufladung spart zwei Drittel des Kraftstoffs und ist damit sparsamer als jeder Dieselmotor. Eine Wasch- oder Spülmaschine mit Warm- und Kaltwasserzulauf und thermostatgeregelter Mischbatterie statt einer Elektroheizung ist betrieben an einer modernen zentralen Warmwasserversorgung auf Gas-, Öl-, Holz- oder Solarenergiebasis um mehr als 50 Prozent effizienter als die heute gebräuchlichen Stromfresser. Energiesparlampe und Aus- statt Stand-by-Schaltung sind nur weitere geläufige Beispiele.

Der Atomausstieg und der Ausbau der erneuerbaren Energieumsetzung ist vor diesem Hintergrund mit Sicherheit die preiswertere und effektivere Strategie als die weitere Ausweitung der Energieumwandlung auf fossiler oder Kernkraftbasis. Es könnte sogar sein, dass die Nachbarn dann auf ihrem Strom und ihrer Kernkraft sitzen bleiben.

Klaus Freudenthal, Berlin-Kreuzberg

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