Leserbriefe : Erziehungs-Herd-Anti-Bildungs-Prämie

Berichterstattung und Kommentare zum Betreuungsgeld, vor allem „Kriminalität auf Pump“ vom 1. November

Liebe bildungsferne Eltern (Deutsche, mit oder ohne Migrationshintergrund, Ausländer), liebe Hartz-IV-/Arbeitslosengeld-II-Empfänger der stetig wachsenden Gemeinschaft/Umma, in deren Familien Erziehung der Kinder nicht stattfindet! Herr Martenstein meint es wirklich nicht gut mit Ihnen, ganz im Gegensatz zu Frau Haderthauer von der CSU, die Sie am liebsten an ihrem Busen nähren möchte, ohne Rücksicht auf giftige Bisse! Ich für meinen Teil danke Ihnen allen, dass Sie meinen Steuerobolus bisher so selbstlos wie selbstverständlich annehmen und verprassen, ohne schlechtes Gewissen und Selbstzweifel, die mir dagegen schlaflose Nächte bereiten, weil ich um die Bescheidenheit meiner Zuwendungen weiß.

Meine Gedanken teilen bestimmt unzählige Steuerzahler, deshalb wünschte ich mir, dass die Bundesregierung Patenschaften zwischen uns und Ihnen erlaubt, die Zuwendungen pekuniärer als auch lukullischer Art direkt zulassen, Diskriminierung selbstverständlich ausgeschlossen! Sie hätten endlich Zeit, Ihren Kindern grundlegende kriminelle Verhaltensweisen oder Integrationsfeindlichkeit oder Ablehnung von Rechtsstaatlichkeit ungestört beizubringen.

In diesem Sinn fasse ich Herrn Martenstein zusammen: Mit der Hilfe seiner Steuerbürger finanziert der Staat den Aufwuchs an Kriminellen, die uns bald das Seil zuziehen werden, das wir selbst geknüpft und uns um den Hals gelegt haben! Klaus Katzur, Berlin-Zehlendorf

Herr Martenstein hat es mal wieder auf den Punkt gebracht. Wieso sind solche Menschen nicht in der Politik aktiv und weshalb reden sich Politiker immer alles schön? Mich (parteilos und gut Englisch sprechend) würde keine breite Bevölkerung wählen, weil ich das Thema noch radikaler angehen würde: nämlich das Kinder- und Erziehungsgeld ersatzlos streichen und die gewaltige Summe direkt in Bildung, Schulsanierung, Kindergärten und Unis stecken; dann hätten alle etwas davon – aber wie schon gesagt: mich würde mit dieser Idee sowieso keiner wählen. Aber es gibt Parteien, da wird so etwas vage angedacht, es traut sich nur keiner, es auszusprechen, wegen der Quote natürlich...

Barbara Lehr, Berlin-Friedenau

Die Mutmaßungen, die der Autor mit einer Zahlung des Betreuungsgeldes verbindet, sind als abenteuerlich zu bezeichnen. Abgesehen von seinen Ausgangsgrößen – nämlich, dass er 15 bis 20 Prozent aller Eltern der Untauglichkeit, erfolgreiche Erzieher ihrer Kinder sein zu können bezichtigt – , scheint er der im Augenblick aktuellen Ideologie anzuhängen: „Gut für Kinder ist nur die Erziehungsvita Krippe, Kita, Ganztags-Gemeinschaftsschule, sonst werden sie asozial und bleiben dumm.“ Selbst Herr Martenstein hält noch 85 bis 80 Prozent der Eltern für taugliche Erziehungsberechtigte – möglicherweise sind es sogar 85 bis über 90 Prozent? Jedenfalls die überwiegende Mehrheit – und der sollte man die Wahlmöglichkeit zwischen Kita und ‚Eigenleistung‘ überlassen. Familie ist nicht automatisch gut – aber Kita schon lange nicht. Wenn dem kleinen Kevin von seinem Vater das Hirn weich und das Herz hart geprügelt wurden, dann sind dafür nicht der Mangel an Geld Ursache gewesen; sondern charakterlich verkommene Erwachsene. Das Betreuungsgeld würde die Situation genauso wenig verschlimmert haben, wie der Besuch der Kita sie verbessert hätte. Hilfe brächte hier ein aufmerksames Umfeld und ein ebensolches Jugendamt. Im Übrigen ist der Zugang zu Bildung und Bildungseinrichtungen keine Frage des Geldes, sondern der Anleitung und der Weckung des Interesses durch das Elternhaus. Hier bin ich mit dem Autor möglicherweise einer Meinung – dies geschieht in zu vielen Fällen zu wenig. Für solche Hinweise müssen Eltern allerdings weder selber das Abitur haben, genauso wenig wie dafür, den Kinder beizubringen, dass Gemeinschaftseigentum wie Schulen, Parkanlagen etc. nicht mutwillig beschädigt werden sollten und es angemessen ist, gebrechlichen Leuten auch einen Sitzplatz anzubieten. Früher konnten das auch Eltern sogenannter bildungsfernerer Schichten. Schlussendlich sind von den Kinderzahlen pro Kita-Erzieher genauso wenig große Bildungserfolge zu erwarten wie von den zu hohen Klassenfrequenzen in den Schulen. Das Problem ‚Hauptschule‘ löst man nicht, indem das Institut künftig Gemeinschaftsschule heißt. Ich bin der Überzeugung, dass jede wirkungsvolle Maßnahme für Bildungsfortschritte die Eltern zum intensiven Mitmachen gewinnen muss, dies gilt in Sonderheit für Eltern mit Migrationshintergrund. Auch Kinder kann man davon überzeugen, dass ein Schulbuch wichtiger und auch interessanter ist als teure Markenklamotten. Abschließend will ich für mich feststellen, dass die Thesen des Autors, im Betreuungsgeld eine Anti-Bildungs-Prämie und/oder eine Anschubfinanzierung für Straßenkriminalität zu sehen, einer so schrägen Denkungsart entspringen, dass ich überrascht war, dass im Tagesspiegel solchen ‚Auswüchsen‘ Platz eingeräumt wurde. Dieter Bredow, Berlin-Spandau

Danke für Ihre dreist überspitzenden Worte zur Erziehungs-Herd-Anti-Bildungsprämie. Das schlimmste an Ihrer Horrorvision: sie ist keine Utopie, sondern Realität von übermorgen. Wenn mir der Staat künftig – hoffentlich – eine Prämie dafür zahlt, dass ich nicht in die subventionierten Opernhäuser gehe, sondern mir eine nachweislich legal erworbene CD zu Hause anhöre, richte ich mit Kopfhörern im Lehnstuhl sitzend zumindest keinen Schaden an. Bei der Herdprämie sieht das leider anders aus, aber das haben Sie bereits hinreichend grausam beschrieben. Damit nicht der Vorwurf folgt, es gäbe schließlich auch verantwortungsvolle, bildungswillige Eltern: Gott sei Dank, ja, es gibt sie. Aber die wünschen sich nicht 150 Euro mehr im eigenen Portemonnaie, sondern qualitativ hochwertige Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für ihren Nachwuchs. Wenn der Staat diese nicht anbietet, schicken sie ihre Kinder in private Kindergärten und Schulen. Was das für die „Restschüler“ bedeutet, muss wohl nicht näher skizziert werden.

Juliane Freifrau von Friesen,

Senatorin a. D., Berlin-Steglitz

Nach Herrn Martensteins Realszenario muss eine „Positiv-Denkstimmung“ her! Wenn Bildung „systemrelevant“ ist, wäre folgendes Vorgehen denkbar: über Belohnung! Wie bei der Abwrackprämie. Neue Autos gegen alte, usw. Beispielsweise gäbe es eine Prämie für einen Hauptschulabschluss von 500, für die Mittlere Reife 1000 und für das Abitur 2000 Euro. Bildungsferne Eltern nerven dann endlich ihren Nachwuchs?! Wenn anschließend die abschlussgekrönten Kinder in die Ausbildungsstätten strömen, können – falls hier zufällig Mangel herrscht – wiederum Prämien die Motivation heben. Ab Jahr 2030 reiben sich dann die Arbeitgeber die Augen: Endlich viele ausgebildete Kräfte auf ihrem hoch spezialisierten Arbeitsmarkt! Anneliese Lenke,

Berlin-Schmargendorf

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