Leserbriefe : Es ist nicht alles Glorie, was glänzt

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„Grüne gegen Ostermarschierer“

von Clemens Wergin vom 8. April

In dem Kommentar wird die Forderung der Friedensbewegung nach einem Ende der Bundeswehreinsatzes als widersprüchlich und pauschal kritisiert, da „die Zukunft Afghanistans und insbesondere die junger Mädchen durch die Gotteskrieger bedroht“ sei und man durch Friedenstauben die Taliban nicht von der Wiedererlangung der Terrorherrschaft über Afghanistan abhalten wird.

An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, wer die islamisch-fundamentalistischen Kräfte in der Vergangenheit unterstützt und ihnen zur Macht verholfen hat. Afghanistan hatte jahrzehntelang eine säkulare politische Ordnung. Es war aber gerade der Westen, der in den 80er Jahren, als es noch gegen die Sowjetunion ging, die „Gotteskrieger“ als Freiheitskämpfer gefeiert hat und sie auch noch militärisch unterstützt hat. Aber nicht nur dieser Fakt trübt den Glorienschein der „Befreier“. Die Bilanz der Nato-Truppen wird nicht gerade durch zivilgesellschaftliche Aufbauleistungen dominiert, sondern durch den Tod Zehntausender unschuldiger Zivilisten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass keine der am Konflikt beteiligten Seiten mit der Unterstützung breiter Bevölkerungsschichten rechnen kann und eine militärische Option letztendlich zum Scheitern verurteilt ist.

Die Forderung der Friedensbewegung nach einem Ende des militärischen Abenteuers und einer alle Seiten einschließenden friedlichen Konfliktlösung erscheint mir daher als Ausdruck einer sehr differenzierten und realistischen Sicht der politischen Situation in Afghanistan.

Dr. Thomas Bartels,

Berlin-Prenzlauer Berg

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