Leserbriefe : Forscher Jüngling

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Betrifft: „Krieg der Generationen“ im Tagesspiegel vom 13. August 2003

Die Forderung des christlich orientierten Herrn Mißfelder zeugt von einer Gesinnung, die „Alte“ erschauern lässt. Rentner, die jetzt zwischen 60 und 70 Jahre alt sind, haben kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Berufslaufbahn begonnen, nachdem die Zeit der Bombenangriffe, des Ausgebombtseins oder der Flucht vorüber war. Sie hatten eine 48Stunden-Arbeitswoche, zwölf Tage Urlaub, keine Arbeitsschutzkleidung, Umziehräume oder Duschen, konnten als Kinder wegen des Krieges und bis Mitte der Fünfziger wegen ihrer finanziellen Situation kaum verreisen.

Viele erhalten trotz über 40-jähriger Berufstätigkeit weniger als 1000 Euro Rente. Sie haben das „Wirtschaftswunder" zustande gebracht und haben ihren Beitrag für die Solidargemeinschaft geleistet. Es ist nicht ihnen anzulasten, dass das System versagt. Ihnen schnöde zu empfehlen, auf Krücken zu gehen, wenn die Hüften degeneriert sind, ist an Kaltschnäutzigkeit nicht zu überbieten.

Diesem forschen Jüngling mache ich einen Vorschlag, wie die Krankenkassen weitere Kosten sparen könnten: Sie sollten all die alkoholisierten Unfallfahrer, meistens sind es die 18-25-Jährigen, ruhig an den Bäumen belassen, die diese angesteuert haben. Weder sollte eine Notoperation bezahlt werden, noch Prothesen, noch Rehaklinik. Warum soll die Solidargemeinschaft für Kosten aufkommen, die der Verursacher selbst verschuldet hat, im Gegensatz zu dem Rentner, der für seine kranken Hüften nichts kann?

A. Thalemann, Berlin-Grunewald

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