Leserbriefe : „Für mich ist die Philharmonie die Mitte der Welt“

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„Kinder des Mittelalters“

vom 15. Mai 2006

Zur Aufführung von Orffs Carmina Burana in der Treptower Arena bietet die Rezension eine erhellende Schilderung der nicht immer ganz durchsichtigen Liedfolge dieses singulären Werks. Der Choreograph Royston Maldoom mit seinen Helfern kommt zu seinem Recht. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus und vergisst fast die Musik, dargeboten von den Berliner Philharmonikern, drei Solisten und Hunderten von Chorsängern aus lauter verschiedenen Chören. Dabei ist es gerade die überwältigende musikalische Leistung, die den ganzen Abend trägt. Vom hinreißenden Countertenor bis zu jeder Bewegung und Geste aller Tänzer.

Hat die Rezensentin dies wirklich so gering geachtet? Warum schreibt sie, die Philharmoniker haben „besseres zu tun als in der Arena zu sitzen und mikrophonverstärkt die Carmina Burana zu begleiten“? Zweifellos steht ihr jede Rückfrage an das Orchester und seinen Chefdirigenten zu, ob denn „auch die eigene Arbeit stimmt“. Zu diesem Thema gibt es gegenwärtig eine muntere Debatte in der ganzen Musikwelt. Aber was mit diesem hoch inspirierenden musikalischen Abend in Tausende von Berliner Familien und Hunderte von Schulen vordringt, ist eine wahre Lebenshilfe. Und dass es der Rang der Philharmoniker ist, welcher entscheidend zur Mitwirkung aller der kleinen und großen Musik- und Tanzlaien beiträgt, wer wollte das übersehen.

Simon Rattle hat seinen Philharmonikern einen großartigen Dienst erwiesen, weil er mit der Kraft der Musik die ganze Stadt aus dem Häuschen gebracht hat. Für mich ist die Philharmonie die Mitte der Welt. der Wochenendausflug in die Arena hat dies auf neue Weise bestätigt.

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