Leserbriefe : Generation Praktikum

„DGB-Studie: Junge haben oft unsichere Jobs und werden schlecht bezahlt“

von Lisa Wandt vom 29. November 2007.

Die DGB-Studie berichtet von der schlechten Ausgangsposition vieler Jungakademiker. Die Dunkelziffer liegt durch falsch deklarierte Jobs und bei Ämtern nicht gemeldeten arbeitssuchenden Absolventen in aller Regel weitaus höher. Praktika von sechs bis zwölf Monaten sind durchaus üblich, eine monatliche Bezahlung von 400 bis 600 Euro ebenfalls. Auch sogenannte Traineestellen laufen nicht selten bis zu zwei Jahre, inklusive besserer Ausbildungsvergütung. Ich selbst habe in den letzten sieben Monaten sechs Tage in der Woche gearbeitet – für 1500 Euro brutto.

Im Bekanntenkreis kenne ich viele junge Akademiker, die als Reinigungskräfte oder im Supermarkt aushelfen, weil sie nicht genug Geld verdienen können. Ohne die Unterstützung der Eltern könnten viele nicht überleben. Und dies nicht nur wegen prekärer Beschäftigungsverhältnisse, sondern auch, weil sie keinen regulären Job finden. Selbst das Arbeitsamt scheint keine Perspektive zu sehen: Dort wurde mir sogar empfohlen, ins Ausland zu gehen.

Im starken Gegensatz hierzu stehen Aussagen der Bundesregierung, dass mehr Leute Zugang zu den Hochschulen bekommen sollen oder gar Fachpersonal aus dem Ausland rekrutiert werden muss. Während dies für einige Berufssparten sicherlich richtig ist, sollte jedoch auch den stark unterbezahlten Jungakademikern anderer Berufszweige mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine dreimonatige Befristung von Praktika könnte hier sinnvoll sein.

Zudem sollte eine Diskussion darüber stattfinden, dass durch unterbezahlte Beschäftigung Einkommensteuern und Verbrauchssteuern der Jungen verloren gehen und die geforderte Flexibilität (inklusive bundesweiter Mobilität) eine Familienplanung junger Akademiker nicht zulässt. Beides kann und wird nicht im Sinne der hiesigen Politik sein.

Oliver Schröder, Berlin-Hermsdorf

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