Leserbriefe : Generika sind nicht schlechter als das Original

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Betrifft: „Ärzte sperren ihre Patienten aus“ vom 18. Dezember 2002

Im Medizinbereich geht also das Licht aus. So soll der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Manfred RichterReichhelm angekündigt haben, dass die Mediziner künftig immer die billigste Ersatzarznei verschreiben werden, „die zwar dieselben Wirkstoffe wie das teure Originalpräparat enthalten, aber trotzdem in ihrer Zusammensetzung so variieren, dass sie von manchen Patienten schlechter vertragen werden“. Dies ist gezielte Panikmache. Daten, die für Nachahmerpräparate (Generika) mindere Qualität oder mehr Nebenwirkungen belegen, gibt es nicht. Die insgesamt gute Qualität heutiger Arzneimittel ist für den deutschen Markt durch hunderte von Reihenuntersuchungen bestätigt. Ausreißer gibt es – unabhängig vom Preis – bei Nachahmerprodukten wie bei Originalen.

Im Arzneimittelbereich ließen sich Kosten sparen, wenn endlich unwirksame und riskante Produkte vom Markt genommen würden, wenn auf Scheininnovationen verzichtet würde, die für teures Geld bewährte (und durch Nachfolgeprodukte preiswerte) Präparate verdrängen, und wenn auf die Behandlung mit Arzneimitteln verzichtet würde, sobald keine Erfolgswahrscheinlichkeit besteht und andere.

Strukturveränderungen sind erforderlich. Beispielsweise dürften Medikamente nur dann längere Zeit verordnet werden, wenn deren Nutzen und Sicherheit auch für eine mehrjährige Anwendung belegt ist. Dies schafft Therapiesicherheit und hilft Folgeschäden (und Folgekosten) zu vermeiden. Wer auf Kosteneinsparung durch identisch zusammengesetzte Nachfolge-Präparate (Generika) verzichten will, gibt das Geld, das für wirkliche Innovationen und begründete ärztliche Therapien gebraucht wird, an der falschen Stelle aus.

Wolfgang Becker-Brüser

(Arzt und Apotheker,

Redaktion „arznei-telegramm“), Berlin

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