Leserbriefe : Gerechtigkeit geht anders

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„Trau keinem über 30!“ vom 1. März 2006

Ich danke Ihnen für Ihren wunderbaren Artikel mit dem Sie mir aus der Seele sprechen. Ich bin selber gerade mit dem Studium fertig, am Anfang eines Berufslebens und sehe meine Perspektive, einen erfolgreichen Beruf und eine Familie zu haben, in Deutschland stark gefährdet.

Ich möchte es drastisch formulieren: Die Alten machen uns arm. Die älteren Menschen pochen auf einen (meiner Ansicht nach bereits von ihnen gekündigten) Generationenvertrag und erwarten, dass wir alles bezahlen. Jedoch ist die Balance zwischen Einkommen und (Renten-, Arbeitslosen- und Kranken-) Abgaben längst gekippt und ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz in Deutschland schon fast unbezahlbar.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist nun über 50 und somit sind mehrheitsfähige Entschlüsse zu Lasten der Rentner nur schwer durchzusetzen. Es ist aber an der Zeit, einer sehr bitteren Wahrheit ins Auge zu sehen: Nur eine massive Kürzung der Renten, langfristig wahrscheinlich sogar auf ein lebenserhaltendes Minimum, kann garantieren, dass es in den nächsten Dekaden überhaupt noch jemanden gibt, der in die Rentenkasse einzahlt. Die Alternative: Man kann den Anteil der Rentenbeiträge am Einkommen so lange anheben, bis niemand mehr ein Gehalt ausgezahlt bekommt oder es keine sozialversicherungspflichtigen Jobs mehr gibt, weil sie schlicht nicht zu bezahlen sind. Wer dann noch Renten bezahlt, steht in den Sternen.

Philip Groth, Berlin-Charlottenburg

Die Argumentation dieses Artikels ist ein Ärgernis. Wer wie meine Frau und ich – beide Jahrgang 1931 – in den Jahren 1952/53 in das Erwerbsleben eintrat, hatte nicht 10 harte sondern nur harte Jahre vor sich! Gearbeitet haben wir in den Jahren danach zusammen 96 Stunden, übrigens auch sonnabends.

Heute 30-Jährige, die man gerade Ihre Ausbildung beenden konnten verdanken diese Wohltat nicht zuletzt dem in den 50er bis 70er Jahren durch die jetzt Alten begründeten Wohlstand.

Unter Verzicht auf viele Annehmlichkeiten haben wir drei gebildete Kinder großgezogen, die demnächst selbst bzw. deren eigene Kinder die Renten der „Generation Golf“ verdienen müssen.

Der Generationenkrieg wird mit dieser unsensiblen Polemik geradezu beschworen.

Klaus Schiffmann, Berlin-Mariendorf

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