Leserbriefe : Glaube ist Privatsache

„Der Unheilsprophet“ von Rolf Schieder vom 24. Februar

Rolf Schieder wirft dem Bildungssenator vor, dessen Behauptung, der Ethikunterricht fördere die Integration, sei nicht wissenschaftlich belegt, hingegen würde sehr wahrscheinlich der Religionsunterricht die Integration fördern. Nun bin ich begierig, die wissenschaftliche Belegung dieser Behauptung zu lesen, dann aber kommt der Satz, empirische Untersuchungen würden belegen, wichtigstes Anliegen der Religionslehrer sei „Sensibilisierung für religiöse Vielfalt und die Förderung der Sprachfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler“. Also, die Religionslehrer sind gute Menschen, also fördert Religionsunterricht die Integration. Tolle Logik. Lehrplan, Curriculum, Unterrichtsziele, alles egal, Hauptsache der Lehrer ist ein Guter. Natürlich müssen dann auch noch rasch die Ethiklehrer diffamiert werden, sie hätten noch nicht bewiesen, dass sie fähig sind, die Auseinandersetzung mit Werten anzuleiten. Sind auch alles keine guten Menschen wie Religionslehrer und wahrscheinlich auch noch strohdumm, haben vermutlich auch alle kein Examen sondern wurden nach Augenfarbe eingestellt.

Ganz seltsam wird es, wenn Herr Schieder, nachdem er erst erklärt, es sei in Wahrheit der Religionsunterricht der die Integration fördere, einige Zeilen danach schreibt, die Schulen seien maßlos überfordert, wenn man ihnen die Zentrale Aufgabe beimisst, die Gesellschaft zusammenzuführen. Aber der Religionsunterricht kann das? Sitzt Gott dann mit in der Klasse und richtet alles zum Guten?

Ganz peinlich wird der Kommentar wenn Herr Schieder beklagt, Eltern, welche eine religiöse Bildung ihrer Kinder wünschten, würden ihre Kinder auf Schulen in religiöser Trägerschaft schicken. Was ist schlimm, wenn ich mein Kind auf eine solche Schule schicke, leiden die Kinder dort, werden sie schlechter ausgebildet? Zweitens aber, es gibt Religionsunterricht an den staatlichen Berliner Schulen. Warum Kinder gläubige Kinder nicht bereit sein sollen, eine Stunde pro Woche für ihren Glauben zu geben, ist mir unverständlich. Noch unverständlicher aber ist mir, weshalb Herr Schieder nun Kinder, die offensichtlich keine Lust auf Religionsunterricht haben, zwangsweise in denselben treiben will. Hält Herr Schieder die Kinder, die nicht in den Religionsunterricht gehen, für Verlorene, will er die armen Seelen retten?

Glauben ist Privatsache. Wenn mein Sohn gerne in der Schule das Vaterunser lernen wollte, so ist das gut, dass Herr Schieder ihn nun aber mit diesem Gebet Zwangsbeglücken will, das ist schlecht. Ich bin froh dass die vielen Jahrhunderte des religiösen Zwangs vorbei sind.

Roland Griebel,

Berlin-Charlottenburg

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