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Leserbriefe : Gott schuf den Menschen als Mann und Frau

14.03.2010 00:00 Uhr

Berichterstattung über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen

Kirche

Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen Einrichtungen ein neues Phänomen? Der Augsburger Bischof Walter Mixa weist den „Ungläubigen“, in Sonderheit den 1968ern, die Schuld am Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in 20 von 27 katholischen Klöstern und „Bildungseinrichtungen“ durch katholische Würdenträger zu. Während seiner Schulzeit und seinem Studium kann der Bischof nicht sehr aufmerksam gewesen sein. Es ist auch vorstellbar, dass die Historie der heiligen Mutter Kirche der zurückliegenden 500 Jahre nicht Lehrstoff war.

Literatur dazu gibt es so viel, dass der Platz hier für eine Aufzählung nicht reicht. Anders lässt sich wohl kaum erklären, dass er die 68er für die Schuldigen der moralischen Entgleisungen der Würdenträger seiner Kirche befindet. „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen …“ ist ihm nicht geläufig. Dass die katholischen Kirchenoberen gelegentlich auf die Verfehlungen ihrer Priester und Klosterherren mit Versetzungen reagierten, macht öffentlich, sie wussten darum. Aber das ist nur die eine Seite der furchtbaren Schuld der katholischen Kirche. Die Täter wurden nach Aufdeckung ihrer Taten versetzt. In eine andere katholische „Bildungseinrichtung“, häufig genug mit derselben Aufgabe. Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist nach deutschem Recht ein Straftatbestand. Jedes Bürgers Pflicht ist es, ein solches Verbrechen, so es zur Kenntnis gelangt, anzuzeigen. Katholische Würdenträger, katholische Dienstherren, denen solche Straftaten zur Kenntnis gelangten und durch Versetzung der Täter deren widerliche Taten vertuschten und sie vor Strafverfolgung schützten, haben sich der Strafvereitelung schuldig gemacht. Das sind mit Strafe bewehrte Taten. Sie, die Schaden von den anvertrauten Kindern und Jugendlichen fernzuhalten verpflichtet sind, haben den Tätern Vorschub geleistet. Sie sind deren Komplizen.

Dessen ist sich Bischof Robert Zollitsch sicher bewusst, anders lässt sich seine die Aufklärung und Sühne blockierende Haltung nicht erklären. Für mich stellt sich aber die Frage: Warum wird hier die Politik und die deutsche Justiz nicht tätig? Herbert Rubisch, Berlin-Marzahn

In der Tat fällt auf, dass die Zahl der Kindesmissbrauchsfälle in der Katholischen Kirche signifikant hoch ist. „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau“, steht im ersten Buch der Bibel – und sagte nicht schon Freud, es solle niemand glauben, er stehe „über der Sexualität“? Gibt es wirklich keinen Zusammenhang zwischen Pflichtzölibat und Kindesmissbrauch? Die zölibatäre Lebensweise „um des Himmelreichs willen“ mag möglich sein; die Fähigkeit dazu ist allerdings, wie ebenfalls schon in der Bibel steht, nur sehr wenigen gegeben. Problematisch wird es, wenn infolge der Koppelung von Priesteramt und Zölibat Menschen, die für diese (ursprünglich nur für Mönche vorgesehene) Lebensweise nicht geeignet sind, geweiht werden. Das kann nicht gut sein! Psychologisch zwangsläufige Folge ist, dass die verdrängte Sexualität in Form von Aggressionen hochkommen kann. Natürlich wird die Abschaffung des Pflichtzölibats alleine nicht alle Probleme lösen. Wäre aber ein größerer Teil des katholischen Klerus verheiratet, würde dies zu einer Revision der in vielem sexualfeindlichen (offiziellen) katholischen Sexuallehre – und damit indirekt sicher auch zu einer deutlichen Reduzierung der Kindesmissbräuche – führen. Das müsste gerade auch jemand wie Joseph Ratzinger wissen! Nicht nur aus diesem Grund: Wieso der Pflichtzölibat von Rom verteidigt wird, als würde die Kirche damit stehen oder fallen, verstehe ich nicht.Gunther Britz, Langenfeld

Die Diskussion um sexuellen Missbrauch ist verlogen, dass es zum Himmel schreit. Es wird so getan, als wäre das Problem damit erledigt, dass die Übergriffe katholischer „Würdenträger“ lange zurückliegen und die Täter inzwischen meist verstorben sind. Dass aufgeklärt wird, ist notwendig, aber was ist mit der aktuellen Situation? Von einigen Ausnahmen abgesehen wird so getan, als handle es sich hier um ein Generationenproblem. Ich sehe nirgends, dass die katholische Kirche ein Zeichen setzt, um Kindern und Jugendlichen, die ihr anvertraut werden, Schutz vor Übergriffen und Mißbrauch zu bieten.

Irene Friedländer, Berlin-Friedenau

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