Leserbriefe : Immer ärmer, immer reicher

Zu den von der Bundesregierung geplanten Steuerentlastungen

Steuerentlastung war das Zauberwort, mit dem die FDP ihr Rekordergebnis eingefahren hat. Der einzige Einwand, der öffentlich dagegen zu hören war, war der Zweifel an der Finanzierbarkeit. Warum sagt niemand, dass jede Steuerentlastung die Kluft zwischen Arm und Reich, über die in Sonntagsreden vollmundig geklagt wird, weiter vergrößert.

Wenn die Hälfte aller erwachsenen Bürger überhaupt keine Einkommensteuer zahlt, hat sie von einer Steuererleichterung nichts, während die andere, besser gestellte Hälfte entlastet, also reicher wird. Die dreiprozentige Mehrwertsteuererhöhung traf dagegen die ärmere Hälfte unglreich härter als die reiche, da sie ihr Einkommen vollständig für den Lebensunterhalt ausgeben muss, während die reichere Hälfte einen Teil zinsbringend zurücklegen kann.

Das führt zur nächsten wissentlich verschwiegenen Tatsache. Wenn über den Schuldenberg und und die Zinslast des Staatshaushalts geklagt wird, dann immer nur mit dem Argument, dass unsere Enkel das alles bezahlen müssen. Warum sagt niemand, dass die Zinsen denen zugute kommen, die genug Geld haben, um es dem Staat zu leihen?

Das heißt doch, dass wir nicht nur unseren Enkeln einen gigantischen Schuldenberg hinterlassen, wir schaufeln einen ebenso gigantischen Berg von Zinsen in die Taschen der Reichen. Und dann jammern wir darüber, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird.

Prof. Dr. Hans-Dieter Gelfert,

Berlin-Zehlendorf

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