Leserbriefe : Jägermeister war nicht braun

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Betrifft: „Der Geist aus der Flasche“ vom 23. August 2003

Kein Argument zur Untermauerung der These, dass die Familie Mast sich im Dritten Reich belastet hat, ist der Autorin absurd genug, als dass es nicht verwendet wird. Dabei sagt sie nicht einmal, welche verwerflichen Geschehnisse denn zwischen 1933 und 1945 auf das Familienunternehmen Mast zurückzuführen sind. Hinweise auf ausgebeutete Zwangsarbeiter? Fehlanzeige! Denunzierte und ans Schafott ausgelieferte Juden? Fehlanzeige! Da muss dann eben die Fraktur des Schriftzuges „Jägermeister“ als Indiz dafür herhalten, dass es Verquickungen mit den damaligen Machthabern gegeben hat, ebenso wie die Tatsache, dass der Name dem Reichsjagdgesetz von 1934 entnommen worden ist. Und natürlich ist es der Firma anzulasten, dass der „Jägermeister“ bei den Soldaten „GöringSchnaps“ hieß.

Das ist ja alles sehr verdächtig. Und dann hat es ja auch noch „enge Verbindungen zum Reichsjägermeister Göring“ gegeben. Welcher Art? Curt Mast hat einmal auf einer Hubertusfeier den Reichsinnenminister getroffen. Quelle dieser Information: Der Buschfunk einer Wolfenbüttler Schule! Vertiefende Argumente zur Stützung der Behauptung wären überzeugender gewesen.

Auch der Hinweis auf den Internetauftritt lässt leider keine Rückschlüsse auf Belastbares zu. Aber man kann’s ja mal versuchen. Richtig ist, dass die dargestellte Werbung aus den Jahren 1937 und 1941 nicht lesbar ist. Da wird doch was verschwiegen! Die optische Qualität der Anzeige aus dem Jahre 1947 ist allerdings auch nicht besser. Da hätte sich die Autorin mal die Mühe machen müssen, den Anzeigentext in einer lesbaren Form zu recherchieren, um Belege für ihre Annahme zu haben, dass 1937 und 1941 Unvertretbares in die Anzeigenspalten der Zeitungen kam. Was da geschrieben stand? Sie weiß es nicht.

Selbst der Umstand, dass das Parteimitglied Curt Mast sich Ende 1934 aus der Politik zurückgezogen hat, dient nicht etwa der Entlastung. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, warum er das getan hat.

Michael Szczepaniak, Berlin-Karlshorst

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