Leserbriefe : Keineswegs tolerant

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„Schleierhafte Argumente“

vom 9. Juli 2006

Jeder Mensch wird frei geboren, er darf sich kleiden, wie er will und eine Religion annehmen! Und wenn er auf einer Insel leben würde, könnte er das und auch vieles mehr gerne tun. Wir aber leben in einer zivilisierten Gesellschaft und da kann eben nicht jeder machen was er will. Aus Verantwortung genau dieser Gesellschaft gegenüber. Kluge Entscheidungen zum Wohle aller zu treffen ist sicher immer eine Gratwanderung. Es ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht, wenn einer Frau die an einer Schule als Lehrerin arbeitet, gestattet wird Kopftuch zu tragen.

Hier lässt man im freiheitlichen Rechtstaat des 21. Jahrhunderts zu, dass eine Situation geschaffen wird, die einen Rückschlag der menschlichen Entwicklung, hier der Gleichberechtigung der Frau, ins tiefste Mittelalter bedeutet. Keineswegs steht es für die ach so viel gepriesene Toleranz. Erleben wir nicht gerade, wohin die jahrzehntelange Ignoranz dieser Problematik geführt hat? Nehmen auch nicht langsam die stärksten Verfechter der Multikultigesellschaft ihre rosarote Brille ab, erschrocken darüber, dass es ohne Grenzen zu setzen, ohne zu fördern, aber auch ohne zu fordern, nicht funktionieren kann? Das Kopftuchtragen ist im Koran nicht vorgeschrieben! Es besteht also absolut kein religiöser Grund sich zu verhüllen. Solange das Kopftuch bzw. das Verhüllen des weiblichen Körpers nicht nur aus früheren traditionellen Gründen herrührt, sondern zunehmend einen politischen Hintergrund hat, ideologisch missbraucht wird und eher ein Symbol der Unterdrückung der Frau ist, darf so eine Klage nicht einmal zugelassen werden. In dieser Woche trifft man sich zum Integrationsgipfel, wo man viel Zeit damit verbringen muss, zu definieren was Integration in Deutschland bedeutet. In dem Fall muss es heißen, dass für Beschäftigte in öffentlichen Einrichtungen, wie z. B. Schulen, eine neutrale Kleiderordnung gilt. Es muss auch heißen, dass Mädchen muslimischen Glaubens bedingungslos an Klassenfahrten und an allen Unterrichtsstunden, auch dem Sport und dem Schwimmen teilnehmen. Was antwortet die kopftuchtragende Lehrerin dem Vater eines solchen Mädchens, der ihm die Teilnahme daran verweigert?

Hier wird die Freiheit muslimischer Schülerinnen geopfert, weil eine zum muslimischen Glauben übergetretene Deutsche meint, ihre Freiheit durchsetzen zu müssen!

Sabine Kuniss, Berlin-Wilmersdorf

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