Leserbriefe : Maßhalten muss die Devise sein

Zu Christian Wulffs Vergleich zwischen

der Kritik an Managern und

der Judenverfolgung im „Dritten Reich“

Die Sozialphilosophie ist sich spätestens seit John Stuart Mill und Max Weber der Tatsache bewusst, dass sie es in Fragen der Gerechtigkeit mit Phänomenen zu tun hat, die die Ethik selbst nicht für oder gegen die eine oder andere Seite entscheiden kann.

Dazu gehört das vom englischen wie vom deutschen Philosophen erläuterte Beispiel von den Talenten und Chancen und dem Arbeiten nach besten Kräften. Wie nämlich soll der Verdienst verteilt werden? Soll derjenige mehr verdienen, der einer untergeordneten Tätigkeit nachzugehen gezwungen ist und wenig Anerkennung erfährt, monoton und hart arbeitet, oder derjenige, der von der Natur mit allerlei Gaben ausgestattet ist, dafür Anerkennung von allen Seiten erhält und in der Endabrechnung mehr für die Gesellschaft geleistet hat, auch wenn beide nach besten Kräften ihre Arbeit verrichtet haben?

Ist die Antwort darauf tatsächlich, dass dem einen ein Salär zusteht, das Hunderten anderer ein friedliches Auskommen für Jahrzehnte sicherte? Nein, nur Maßhalten kann hier die Devise sein und dieses ist, jeder kann es sehen, verloren gegangen und muss, das gebietet die soziale Pflicht, eingeklagt werden.

Hier von Pogromstimmung zu sprechen, ist nicht nur eine massive Beleidigung für tatsächlich davon Betroffene, sondern für jedermann eine Verhöhnung seines natürlichen Gerechtigkeitsgefühls. Doch die Schamlosigkeit, dieses Wort in Gegenwart eines unmittelbar Betroffenen zu verwenden, öffnet einer neuen Verrohung Tür und Tor, und diesen Anfängen muss gewehrt werden.

Frank Burkert, Berlin-Kreuzberg

0 Kommentare

Neuester Kommentar