Leserbriefe : Mehr Bildung führt zu weniger Jugendkriminalität

Zur Debatte über Jugendgewalt

Ist eine überfällige Initiative verachtenswert, nur weil der Anstoß von Roland Koch kommt und im Wahlkampf geäußert wird? Wer immer wieder in Gutmenschenmanier argumentiert, dass höhere Strafen die Resozialisierung der Gewalttäter nicht verbessern würde, betrachtet es aus der Perspektive der Täter und übersieht, dass der Staat seine Bürger so wesentlich länger vor den Aggressoren schützen könnte. Ist es vielleicht auch Populismus,wenn ich frage, wie sich ein übel zugerichteter Rentner fühlt, wenn er sich im eigenen Land auch noch als deutsches Schwein beschimpfen lassen muss? Rot-grüne Multikultischwärmerei lässt bis heute das Prinzip Täterschutz vor Opferschutz nachwirken. Realpolitik sollte jedoch auf Fakten basieren.

Ulrich Fritzmann, Berlin-Marienfelde

Wahlzeit in Hessen, und es ist wieder so weit, Roland Koch wird populistisch. Es ist wirklich traurig, dass solche Themen nur Wahlthemen sind und keine, die wirklich bearbeitet werden.

Zeèv Rosenberg, Berlin-Frohnau

Der Fall der Münchner U-Bahn-Schläger zeigt die Wirklichkeit, wie ich sie als Lehrer von sehr vielen Schülern mit Migrationshintergrund in Jahrzehnten erlebt habe, nicht. Fast alle meiner ehemaligen Schüler haben sich anständig verhalten, waren freundliche und wohlerzogene Kinder und sind heute in ihren Berufen erfolgreich. Diese mit Kriminellen in einem Atemzug zu nennen und daraus Propaganda zu machen – wann sehen wir „Herrn“ Koch in Springerstiefeln und Bomberjacke mit Runen auf der Glatze? –, ist niederträchtig; besonders dann, wenn ich bedenke, dass es genau diese Politiker gewesen sind, die Jugendeinrichtungen ständig geschlossen haben. Wie kann sich eine kluge Frau wie unsere Kanzlerin so von „Herrn“ Koch vor den rechten Karren spannen lassen?

Franz Schmidt-Lammert,

Berlin-Siemensstadt

Es kann doch nicht wahr sein, dass Frau Merkel ihren guten Ruf durch obskure Abschiebungspläne aufs Spiel setzt. Und wohin soll man dann die deutschen Täter ausweisen? In ein deutsches Guantanamo auf Helgoland?

Reinhard Miethner, Berlin-Friedenau

Es ist ärgerlich, wenn Tag für Tag die Forderungen nach geschlossenen Heimen und vor allem nach schärferen Gesetzen formuliert werden. Sachlich und richtig ist aus meiner Sicht: Wer sich die Mühe macht, Lebensläufe jugendlicher Straftäter zu analysieren, wird in zu vielen Fällen feststellen, dass vorhandene gesetzliche Möglichkeiten des Eingreifens in die Erziehung dieser Jugendlichen nur unzureichend, nicht effektiv genug oder gar nicht eingesetzt wurden.

Einige Bereiche seien genannt: Die in Sozialgesetzbüchern vorgesehenen Unterstützungsmöglichkeiten für Erziehungsberechtigte werden durch die Jugendämter nicht rechtzeitig eingesetzt, weil problematische Verhaltensweisen nicht gemeldet werden, die Mitarbeiter mit einer zu hohen Zahl von Fällen überfordert sind oder die möglichen rechtzeitigen Hilfen zur Erziehung aufgrund von gekürzten Ressourcen nicht zur Verfügung stehen. Die Lenkung von personellen und finanziellen Mitteln in diese Bereiche würde die Einrichtung von teuren Heimen in vielen Fällen überflüssig machen. Erziehungsberechtigte, die bei auftretenden Problemen nicht kooperativ sind, müssten durch familiengerichtliche Maßnahmen mit den vorhandenen Gesetzen schneller beeinflusst werden. Eine schneller und konsequenter agierende und mit den anderen Einrichtungen der Pädagogik und Jugendhilfe besser vernetzte Jugendgerichtsbarkeit würde mit den vorhandenen Gesetzen in vielen Fällen eine Wirkung erzielen, die sowohl den Jugendlichen als auch der Gesellschaft weitere Straftaten und teure Aufenthalte in einem Heim oder gar einer Jugendstrafanstalt ersparen könnte.

Zu guter Letzt: Wer einmal in einer Helferkonferenz für einen Jugendlichen gesessen hat, in der acht oder mehr für den Jugendlichen mitverantwortliche Menschen das erste Mal zusammensitzen, weil sie aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht miteinander kommunizieren durften, der weiß, wie die Effektivität von Erziehungshilfen nach dem Motto „Kinderschutz geht vor Datenschutz“ kostengünstig verbessert werden könnte. Wer diese und viele andere ähnliche Aspekte berücksichtigt, kann dem Problem der kriminellen Jugendlichen schneller etwas entgegensetzen als mit populistischen Politphrasen.

Helmut Hochschild, Berlin-Wittenau

Nach meiner Meinung sollte das Erwachsenenstrafrecht sehr wohl auf Volljährige konsequent angewendet werden, und ich unterstütze die Forderungen nach einer entsprechenden Änderung des Jugendstrafrechts. Und wenn Jugendcamps bundesweit eingeführt werden würden, hätte ich auch nichts dagegen.

Klaus Golze, Berlin-Spandau

Die Androhung hoher Strafmaße bewirkt bei gewaltbereiten Jugendlichen gar nichts, solange die bestehenden Strafmaße selbst bei Serientätern kaum zeitnahe Anwendung finden. Die Schläger aus der Münchner U-Bahn hatten je ca. 40 Delikte auf dem Kerbholz. Warum liefen sie frei herum? Warum werden Männer, die einen Menschen krankenhausreif schlagen, von der Polizei entlassen mit dem Hinweis, für einen Antrag auf Haftbefehl sei das Delikt nicht schwer genug? Es ist doch ganz einfach: Wer brutale Gewalt ausübt, muss hinter Gitter, und zwar sofort.

Gegen „No-go-Areas“ gibt es nur eins: Polizeipräsenz und sofort wirksame Sanktionen. Toleranz und Wegschauen sind schlecht, auch für die Lebenschancen der jugendlichen Täter! Selbstverständlich muss es gegen die Ursachen auch intensive soziale Quartiersarbeit geben. Da wird heute schon viel Gutes mit hohem Engagement geleistet – das verdient Anerkennung und mehr öffentliches Lob.

Reinhard Kaiser,

Berlin-Prenzlauer Berg

Mir wird schlecht, wenn ich lesen muss, dass Schläger, die zwei Männer verprügeln und davon einen schwer verletzen, nicht inhaftiert werden. Genau hier liegt das Problem, dass es augenscheinlich scheißegal ist, ob man einen Menschen verängstigt, verletzt oder schwer verletzt. Erst wenn man ihn verstümmelt oder tötet, nimmt ihn die Polizei in Gewahrsam. Das darf kein Zustand in unserer Gesellschaft sein! Mir ist bewusst, dass wir mit härteren Polizeireaktionen die Ursache nicht bekämpfen, aber die konsequente Ahndung muss genauso wie die Prävention betrieben werden. Beides ist mir mein Steuergeld jedenfalls wert, und ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Zustände von irgendjemandem gewünscht sind.

Jens Hampl, Berlin-Wilmersdorf

Die Forderung nach Ausschöpfung der bestehenden Gesetze statt Verschärfung klingt gut, aber: Einzig die Richter können das Strafmaß ausschöpfen, wozu man sie aber nicht anweisen kann. Es gab im „Dritten Reich“ die Richterbriefe des Justizministeriums, mit denen der Richterschaft die Erwartungen an Strafmaß und Auslegung der Gesetze „von oben“ nahe gebracht wurden – eine indiskutable Durchbrechung der Gewaltenteilung. Es hat in der Strafgerichtsbarkeit nach meiner Beobachtung Tradition, dass das Strafmaß des Gesetzes (fast) nie ausgeschöpft wird. Auch bei brutalsten Tötungsdelikten Jugendlicher liegt das Strafmaß in der Regel unter der Höchststrafe.

Lothar Zmija, Berlin-Dahlem

Eine der Hauptursachen für Gewalttätigkeit bei Jugendlichen liegt in mangelnder Bildung. Wenn wir nicht bald deutlich mehr in die Bildung unserer Kinder investieren, dauert es nicht mehr lange, bis auch bei uns – siehe Frankreich – die „Armenviertel“ brennen.

Christian John, Berlin-Buckow

Forschungsergebnisse zeigen, dass Bildung ein sehr gutes Mittel ist, Jugendkriminalität vorzubeugen. Und wie sieht die Berliner Schulpolitik aus?

Max Liebermann fällt mir ein, der in einem anderen, sicher schlimmeren Zusammenhang sagte, er möge gar nicht so viel essen, wie er kotzen möchte.

Gerhard Schneider-Hirt,

Berlin-Schöneberg

Schule darf nicht länger einfach nur Schule sein. Sie muss den Anspruch haben, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Bildung mit Werten wie konstruktive Toleranz, Weltoffenheit und soziale Verantwortung zu verbinden.

Wolfgang Schuchardt, Berlin-Steglitz

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