Leserbriefe : Mehr Geld auch für Erzieher

„Protest lohnt sich: Senat will den Kitas Personal spendieren. Nach Brandbriefen von Erziehern wird überlegt, 40 Millionen Euro für Neueinstellungen auszugeben“

von Claudia Keller und Rita Nikolow

vom 27. Februar

Protest lohnt sich! Wirklich? Für wen? Etwa für die vielen angestellten Erzieher in Berlin, die schon seit Jahren mit einem Gehalt abgestraft werden, dass sich knapp über dem Satz des Geldes bewegt, dass Harz-IV-Empfänger auch ohne Arbeit erhalten? Leider schreiben Sie zu wenig über diese Misere, die anscheinend nicht genug Beachtung findet.

Seit 2003 gab es in Berlin keine Gehaltszulagen für unsere Berufsgruppe, ganz zu schweigen von den verordneten Gehaltskürzungen gegen Freizeitausgleich (ha, welcher Freizeitausgleich? Ich schiebe Überstunden zur Genüge!), die hingenommen werden mussten, um den maroden Haushalt der Stadt zu konsolidieren. In der Tat: ich fühle mich durch den Berliner Senat(wie Sie so zutreffend schreiben) ausgebeutet und unterbezahlt in meiner Arbeit, die ja den Qualitätsstandards dieses Senats nachkommen soll und der Kitas als Bildungseinrichtungen versteht. Aber Bildungsarbeit wird für das Personal erst ab Einstellung als Lehrer entsprechend honoriert. Eine Zulage von 1200 Euro! Davon kann ein Erzieher nur träumen. Wenn es überhaupt zu einer Gehaltserhöhung für die vielen Angestellten im Land Berlin kommen sollte, dann werden wir wahrscheinlich wieder mit Minimalbeträgen abgespeist. Die Arbeit der Erzieher scheint in den Augen des Senats der letzte Dreck zu sein, nicht der Rede und schon gar nicht der gerechten Bezahlung wert.

Schön, dass jetzt neue Erzieher eingestellt werden sollen. Dringlich ist aber auch für die, die jetzt schon mit viel Engagement und Fantasie ihre Arbeit leisten, endlich eine adäquate Bezahlung zu erhalten. Nicht nur neu einzustellende Lehrer haben ein dem Bundesgebiet angepasstes Gehalt zu erwarten, sondern auch und gerade die seit vielen Jahren chronisch unterbezahlen Erzieher dieser Stadt. Damit nicht eines Tages auch die Krippen, Kitas und Schulhorte durch die Abwanderung ihres Personals ins Bundesgebiet ausbluten. Wut über die Senatspolitik und Grund zur Abwanderung gibt es unter Erziehern jedenfalls genug.

Angelika Duda, Berlin-Nikolassee

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