Leserbriefe : Nazis zu ignorieren ist der falsche Weg

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„Nazis? Gibt’s nicht!“ von Jürgen

Dittberner vom 20. November

Der Artikel ist recht ärgerlich und verharmlost, was wir auf der rechten Seite des politischen Spektrums beobachten müssen. Der Autor ignoriert oder spielt die Bedeutung einiger Tatsachen herunter: Die Existenz der zahlreichen „Kameradschaften“, die sich offen zu nationalsozialistischem Gedankengut in Wort, Symbolen und Tat bekennen und engsten Kontakt zur NPD pflegen, erwähnt er ebenso wenig wie die zahlreichen Vorfälle, bei denen Ausländer und Andersdenkende krankenhausreif geprügelt werden. Und hat er eigentlich schon einmal von den diversen rechtsradikalen Rockgruppen gehört, in deren Liedtexten zur Vernichtung von Juden und Ausländern aufgerufen wird und die auf den Covers ihrer CDs Bilder und Symbole anbringen, die eindeutig Bezug zum „Dritten Reich“ haben ? Alles keine Nazis?

Und zu behaupten, die Vorfälle, bei denen Asylantenheime in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda unter den Rufen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ brannten, wurden „hochgespielt“, verkennt die Bedeutung dieser Vorfälle und die Beachtung, die sie international gefunden haben, völlig. Schleierhaft ist mir auch, wie man feststellen kann, in der Weimarer Republik habe es eine „hochentwickelte politische Kultur“ gegeben. Die Auseinandersetzung zwischen politischen Gegnern in der Weimarer Republik war zum großen Teil durch den mangelnden Willen zum Kompromiss, durch Intoleranz, Krawall und Gewalt auf der Straße gekennzeichnet. Genau das, was die Mitglieder der NPD und der sie unterstützenden Gruppen wieder in die politische Auseinandersetzung eingeführt haben.

So zu tun, als gebe es keine neuen Nazis, und der Partei, die ihr Gedankengut vertritt, alle Wege zu ebnen, nur weil sie eine zugelassene Partei ist, ist falsch und schadet der Demokratie.

Heinz-Peter Schwarz, Berlin-Spandau

Herr Dittberner meint, der Rechtsextremismus werde in Deutschland nur verbal aufgeblasen. Ist das jetzt die geistige Auseinandersetzung der Demokraten mit dem Rechtsextremismus, die in den letzten Wochen gefordert wurde, als es um die Grenzen eines NPD-Verbotsantrags ging? Warum über ein Verbot der NPD nachdenken, wenn sich die Naziszene so wundersam begrifflich ins Nichts auflösen lässt. Wenn das kein Trost ist für die Angehörigen der Toten, die diese menschenverachtende Szene auf dem Gewissen hat, und für die über 8000 Menschen, die in diesem Jahr bereits Opfer rechtsextremistischer Gewalttaten geworden sind. Wenn der Autor mit diesen Positionen mittlerweile die typische FDP-Wählerklientel bedienen muss, kann man der NPD nur gratulieren.

Jochen Gester, Berlin-Kreuzberg

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