Leserbriefe : Nicht anschauen ist Protest

Zur Berichterstattung

über die Olympischen Spiele in Peking

Ich unterstelle dem IOC, dass es von Anfang an bewusst in Kauf genommen hat, dass die Pressefreiheit während der olympischen Spiele nicht uneingeschränkt vorhanden sein wird. Allein der Kommerz ist den Damen und Herren des IOC wichtig. Wie sonst ist zu erklären, dass in einem Unrechtsstaat solche Spiele überhaupt ausgerichtet werden können?

Ich jedenfalls werde keine Sekunde für diese Spiele verschwenden und damit meinen Protest gegenüber dem Regime in China und dem IOC zum Ausdruck bringen.

Erio Alexander Tsuchiya,

Berlin-Dahlem

Schon seit Wochen berichten die Medien darüber, wie rigoros die Organisatoren der Olympischen Spiele mit den Menschen vor Ort umgehen, die mit ihren Wohnungen oder Geschäften den geplanten Stadien im Wege stehen. Diese Berichte ändern nichts an dem Vorgehen der chinesischen Machthaber. Protestierende Menschen werden weggesperrt und die Angehörigen durch dauernde Präsenz der „Ordnungskräfte“ mundtot gemacht und in ihren Bewegungsspielräumen stark eingeschränkt.

Amnesty International zog vor Beginn der Olympischen Spiele eine „düstere Bilanz“ zur Menschenrechtslage in China: Die jüngsten Verhaftungen, Misshandlungen und Hinrichtungen zeigten deutlich, dass die chinesische Regierung ihre Versprechen nicht eingelöst habe und die Grundprinzipien der Olympischen Charta weiterhin missachte.

Wer nun geglaubt hatte, ein großes Protestieren der deutschen Presse sei zu hören, der muss sich Augen und Ohren reiben. Es wird ohne lauten Aufschrei sehr emotionslos über den Angriff auf die Pressefreiheit berichtet.

Haben Presse und Funk/Fernsehen plötzlich vergessen, welche Aufgabe und mediale Macht sie haben? Über das Schicksal des eingekerkerten ARD-Kameramannes in Gaza wird ausführlich berichtet, das ARD-Büro gar geschlossen. Das ist gut so!

Warum aber wird vor dem Hintergrund der Menschenrechtsverletzungen und der Einschränkung der Pressefreiheit zur Olympiade in Peking ein Riesenaufwand für Übertragungen und Berichte getrieben?

Menschenrechte und Pressefreiheit sind hohe, sehr hohe Güter. Sie dürfen von Journalisten nicht der Politik und/oder dem IOC überlassen werden. Und sie dürfen vom Sport nicht der Politik überlassen werden.

Denn es sind demokratische Rechte, unsere Grundrechte.

P. G. Winfried Hochgrebe,

Berlin-Spandau

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