Leserbriefe : Nicht Gasversorger verderben die Preise

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„Kunden wehren sich gegen höhere Gaspreise“ vom 1. November 2005

Nun rufen also auch in Berlin Verbraucherzentralen dazu auf, sich an Sammelklagen gegen die Gasversorger zu beteiligen. Schon seit Monaten wird empfohlen, gegen berechtigte Forderungen Widerspruch einzulegen oder gar Rechnungen zu kürzen. Auch der Tagesspiegel lässt gerne die Verbraucherschützer zu Wort kommen.

Ich halte es für sehr bedenklich, dass Sie gemeinsam mit Verbraucherschützern öffentlich zu Vertragsbruch aufrufen und die Verbraucher damit einem erheblichen Prozess und Anwaltskostenrisiko aussetzen. Erst kürzlich hat das Amtsgericht Euskirchen einem Kläger widersprochen, der die Preisanpassung für unbillig hielt und die Offenlegung der Kalkulation forderte (AZ: 17 C 260/05). Der Kläger muss jetzt die Kosten des Rechtsstreits zahlen. Ganz ähnlich hat das Amtsgericht Koblenz in einem anderen Fall entschieden (AZ: 141 C 403/05). Auch hier musste der Kläger für die Prozesskosten aufkommen. In beiden Fällen waren die Gasversorger gezwungen, die Preise anzuheben, weil ihre Einkaufspreise zuvor gestiegen waren. Die Preisanpassungen waren also nicht unbillig.

Denn weltweit steigt die Energienachfrage. Besonders das enorme Wirtschaftswachstum von Ländern wie den USA, China, aber auch Indien sorgt für einen immer stärker umkämpften Energiemarkt. Als Folge steigen weltweit die Energiepreise. Deutschland ist abhängig von importierter Energie und kann sich dieser Entwicklung daher nicht entziehen.

Statt Verbraucher in Klagen mit erheblichen Risiken zu hetzen, wünsche ich mir einen stärkeren Dialog zwischen den Verbraucherschützern und der Gaswirtschaft. Gemeinsam könnten sie den Verbrauchern verlässliche Empfehlungen geben, wie die notwendigen Preissteigerungen für alle verträglich zu gestalten sind.

Wolfgang Eschment,

Sprecher des Forums Erdgas, Leipzig

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