Leserbriefe : Nicht ohne Qualitätskontrolle

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„Kritik an Professoren-Ranking“

vom 15. August 2006

Frau Gardain, die Sprecherin des Datenschutzbeauftragten, ist zu Recht besorgt über die Möglichkeit, Online-Rankings für Professoren zu manipulieren. Die Feststellung, dass Dozenten gefragt werden müssen, ob sie von Studenten benotet werden wollen, scheint mir jedoch ein weites, anderes Feld, das mit Datenschutz nichts zu tun hat. Hier muss man sich die Frage stellen, warum es Meinprof.com überhaupt gibt. Mag es vielleicht daran liegen, dass Professoren sich nach ihrer lebenslangen Anstellung keiner Qualitätskontrolle außerhalb des kollegialen Clubs mehr stellen müssen? Daran, dass Professoren von sich aus kaum Interesse haben zu hören, was ihre Studenten von ihren Kursen halten. Daran, dass die von der Verfassung garantierte „Freiheit der Wissenschaft“ an deutschen Universitäten zu einer Unantastbarkeit der Professoren geführt hat, von deren Gnade der eigene akademische Weg abhängt und wo Interesse an den Studenten als „Bonus“ empfunden wird. Warum hat man solch eine Angst vor einer Studentenplattform, die nicht nur demokratisch, sondern auch eine Möglichkeit zum Lob an motivierten und kompetenten Professoren ist?

Erfolgreich haben sich Deutschlands Professoren gegen die Einführung von Junior-Professoren und somit gegen ungewollte junge und motivierte Konkurrenz gewehrt, die sich nun zumeist im Ausland wiederfindet. Solange sich das Professoren-Establishment nicht dazu durchringen kann, an sich selbst die Forderung nach transparenter Leistung an ihren Studenten zu stellen, ist jeder weitere Schutzwall, um Professoren vor den Meinungen ihrer Studenten zu schützen, Beihilfe zum Protektionismus.

Michaela Küfner,

Berlin-Prenzlauer Berg

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