Leserbriefe : Ordnungsämter sind zu unordentlich

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„Kiezstreifen – viel Ordnung, wenig Sauberkeit“ vom 17. Mai 2005

„Hundekacka“ war neben Mama, Papa, Auto und Ball eines der ersten Wörter, die unser anderthalbjähriger Sohn sprechen konnte – nicht verwunderlich angesichts der unzähligen Male, die er täglich dieses Wort als Begründung hört, wenn wir abrupt seinen Lauf unterbrechen oder ihm das Betreten einer Wiese ob des starken fäkalen Verschmutzungsgrades ganz untersagen müssen.

Beim täglichen Spaziergang sind wir „Elternstreifen“ hauptsächlich damit beschäftigt, immer Schritt haltend mit unserem mobilen Kleinkind die Straßen auf Hundekot hin abzuscannen – ein weiterer Stressfaktor im Leben mit Kindern, auf den wir gut und gerne verzichten können! Genauso glaubt unser Sohn, der zu Hause jeden Krümel Müll ganz selbstverständlich in den Mülleimer trägt, auf der Straße gehöre der Müll auf den Boden.

Wie sollte er angesichts dessen, was er täglich sieht, auch einen anderen Schluss ziehen? Wie naiv war doch unsere Hoffnung, durch den Einsatz der Kiezstreifen würde sich daran etwas ändern.

Ulrike Posern, Berlin-Wilmersdorf

Wir kämpfen seit vielen Jahren dafür, dass die Rehwiese, die sehr verkommen war, wenigstens minimal gepflegt wird. Dies hat endlich stattgefunden, darum wohl wurden die Schilder „geschützte Grünanlage“ wieder aufgestellt. Dies bedeutet, dass das neu gegründete Ordnungsamt mit besonderem Interesse Hundebesitzer verfolgt.

Nachdem dies jetzt ein paar Monate so geht, sind die Spazierwege ausgestorben, wohl, weil 97 Prozent der Spaziergänger Hundebesitzer waren. Es gibt nicht nur dieses Gebiet in Zehlendorf, wo Grünzüge, die nur mit sehr viel Mühe als „gepflegter“ Park bezeichnet werden können, vom Ordnungsamt leer gefegt werden, während in Fußnähe unbehelligt Müll abgeladen wird und länger liegen bleibt. Es wäre wohl sinnvoll, die Schaffung der Ordnungsämter nicht nur als Einnahmequelle zu verstehen, sondern als Mittel, um die Lebensqualität der Bürger dort, wo das Miteinander gestört ist, zu erhöhen. Es scheint einträglicher zu sein, ältere und eher wohlhabende Bürger einzuschüchtern als bei problematischen Situationen mit weniger freundlichen Zeitgenossen tatsächlich für Ordnung zu sorgen.

Christian Dierkes, Berlin-Nikolassee

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